Insomnie Extraktion | Cthuloide Gedankenspiele

Das Fragment, welches ich euch heute vorstellen möchte, ist schon etwas älter, soll euch aber dennoch zum Nachdenken und gerne auch Mitmachen anregen. Ihr könnt es gerne als Bruchstück für eigene Abenteuer oder einen anderen Blog verstehen: Die Insomnie Extraktion.

 

Alpträume

Folgendes ist bekannt: Wir können Drachen im Traum besiegen und Prinzessinen retten.

Was wir nicht können: Etwas aus dem Schlaf ins echte Leben mitnehmen. 

Was im Schlaf erträumt wird, bleibt dort. Mal ist das schlecht, viele andere Male sehr sehr gut… Man denke an Freddy Krueger, allgemein Alpträume mit Monstern oder Streit mit der Familie und dem Chef.

Was aber ist mit nicht-materialistischen Gegenständen? Bei Inception wird die Idee eines Gedanken vermittelt, der mit rüber ins Diesseits genommen wird. Treiben wir es etwas auf die Spitze und würzen mit dem Cthulhu-Streuer: Krankheiten.

Das Gehirn wird durch einen Traum angeregt einen exotischen Chemie-Coctail zusammenzumixen durch den man krank wird. Ein bisschen Adrenalin und Exorphin. Das Gehirn schüttet aus Versehen diese Botenstoffe aus und der Körper reagiert, man wird Krank, gerne auch chronisch. Das Ganze darf auch mutieren und wird ansteckend. 

Wer es nicht auf eine biochemische Erklärung anlegt sondern es schlicht übernatürlich lässt, kann die Ansätze der Erklärung gerne rauskürzen, aber die Idee eines Krieges gegen sich selbst ist furchteinflössend. Der Körper wird zum Feind, niemanden, den ich offen bekämpfen kann und auch meinen Mitmenschen kann und darf ich nicht mehr vertrauen, wenn sie ebenso mein Ende besiegeln können.

In dieses Apokalyptische Szenario geworfen können die Protagonisten erleben, wie die Welt zu Grunde geht und sie selbst eine Lösung finden müssten oder sich der Hoffnungslosigkeit dank Schlafmangel ergeben…

Schon Churchill wusste: Die Geschichte wird von Siegern geschrieben.
Was aber, wenn ein Krieg keinen Sieger hervorbringt? Keinen Sieger hervorbringen kann und darf?
Man muss einen Feind haben, wenn man kämpfen und siegen will. 
Was aber, wenn man einen Krieg ohne Feinde führt?

Es beginnt

Liebes Tagebuch,

ich bin heute weinend aufgewacht, weil ich von Pünktchen geträumt habe.
Aber sie hatte keine Pünktchen mehr. Sie hatte weniger Fell als Papa. Also Papas Haare auf dem Kopf waren mehr.
Und das schwarze Fell mit den weißen Punkten war nur noch grau. Sie lag zitternd auf unserem Sessel im Wohnzimmer und hat nicht geschnurrt. Ich glaube sie war krank.
Wir haben sie ja schon im Garten beerdigt vor zwei Jahren, aber das weißt du ja liebes Tagebuch. Zumindest bin ich davon wach geworden und war total traurig.

In der Schule hat dann Lisa auch noch geweint, weil Herr Kohl sie angeschrien hat. Dabei hat sie sich nur ganz leise unterhalten gehabt. Man hat sie garnicht gehört. Aber Herr Kohl hatte schlecht geschlafen und Kopfschmerzen und dann ist er ausgeflippt.
Naja und jetzt schreibe ich gleich nach der Schule. Ich wollte eigentlich zu Niko und mit ihm spielen, aber dann hat Nikos Mutter angerufen und gesagt, dass er heute nicht mehr spielen kann, weil es Nikos Papa nicht gut geht.
Meine Mama hat gesagt, dass Nikos Papa einen Unfall auf der Baustelle hatte und ich erstmal nicht mit ihm spielen kann.

Ich bin so müde

Der Kaffee schmeckte heute besonders bitter, das störte ihn aber nicht weiter. Er nahm noch einen weiteren Schluck und dann öffnete sich die Fahrstuhltür. Er wurde gleich von mehreren Polizisten mit einem „Guten Morgen Doktor Falconi“ begrüßt und er nickte ihnen zu.
„Guten Morgen Jungs. Wo drückt der Schuh?“
Ein Beamter, der in einer Tür stand, winkte ihn heran und hob das bereits angebrachte Absperrbändchen nach oben.
„Hier geht’s lang Herr Doktor“
„Danke Monti“ 
Er verließ den Fahrstuhl und ging in die Richtung, die ihm gewiesen wurde.
Der Flur, auf dem ein halbes dutzend Polizisten gelangweilt gegen die Wände gelehnt stand, war ziemlich alt. Er passte zu dem Häuserblock, Falconi war nicht überrascht, dass er zu solch einem Ort gerufen wurde. Er duckte sich unter dem Band durch und betrat die Wohnung, in der er von einem leichten Moder- und Schimmelgeruch empfangen wurde.
Zu seiner Linken konnte der Gerichtsmediziner eine kleine Einbauküche erkennen, in der sich die Töpfe und Pfannen stapelten. Ein Paket Nudeln lag auf dem Boden und der Wasserhahn tropfte unablässig. Er ging weiter durch den schmalen Flur, seine Schuhe musste er nicht weiter abputzen, der Teppich unter ihm starrte vor Dreck.
Auch im nächsten Raum warteten zwei Polizisten, die ihn begrüßten und dann zu dem Sofa blickten. Das Zimmer war vollgestopft mit Kisten, die nebeneinander standen und sich stapelten, sie waren nur halbherzig verschlossen und einzelne Sachen lugten hervor. Es gab neben dem durchgelegenen Sofa noch einen Schreibtisch, der ähnlich vollgemüllt war, und ein Bücherregal.
Einer der Beamter hatte bereits das Fenster weit geöffnet um für etwas Durchzug zu sorgen.
Die heiße, trockene Luft brachte wenig Besserung.

Auf dem bequemen Möbelstück lag ein Mann, den Falconi auf Ende Vierzig schätzen würde. Eine Wolldecke lag über ihm und bedeckte seinen Leib, das Haar war an den Seiten leicht weiß.
„Meine Herren, was haben wir hier? Sämtliche Fotos geschossen und Beweise gesammelt?“
„Ja, die Fotos haben wir. Ich vermute als Ursache Gift, damit wäre die Todesart schwere Körperverletzung mit Todesfolge. Zeitpunkt des Todes vor etwa zehn Stunden.“
„Okay, ich seh’ ihn mir mal an.“, Falconi trat an die Couch und zog die Decke weg. 
Der Mann hatte einen Schlafanzug an. Seine Augen waren geschlossen und er lag friedlich da.
Dem Gerichtsmediziner genügte ein leichter Kniff in den Oberarm. Die Muskeln waren hart, was Falconi nicht wunderte. Die Leichenstarre setzte bei Leichen bereits nach kurzer Zeit ein.

Ein roter Fleck bildete sich kurz an der Stelle, an der er sie berührt hatte, verschwand aber wieder. Er runzelte seine Stirn.
„Die Tardieuflecken sollten blau sein. Habt ihr die Raumluft vor dem Lüften analysiert?“
„Tut mir leid Doktor, daran habe ich nicht gedacht.“, murmelte der zweite Beamte, der bisher nichts gesagt hatte.
„Sehen Sie sich die Augen an, vielleicht ist es Zyanid“, warf der Beamte der Spurensicherung ein.
Falconi zog eine Braue nach oben und öffnete mit den Fingerspitzen die Lider.
Viele Gefäßwände im Inneren waren zerplatzt, durch den Druck war das sauerstoffarme Blut zwischen Iris und Hornhaut gelaufen und färbte das Auge blau. Man konnte die Linse nicht mehr sehen. Ein merkwürdiger Anblick, den selbst Falconi so noch nicht gesehen hatte.
Anstatt sich abzuwenden, ging er in die Hocke und blickte interessiert in ein Auge, das nicht zu einem Menschen zu passen schien. Gedankenversunken verstrichen die Sekunden, der Doktor spiegelte sich in der Flüssigkeit, was sie nur noch anziehender machte.
Nach einer Minute erhob er sich wieder, keiner der Anwesenden hatte etwas gesagt.
„Ich tippe auf Adrenalin.“, er kaute kurz auf seiner Unterlippe und legte sich seine Worte zusammen: 
„Nur so ein Gefühl, aber die Körpertemperatur ist noch zu hoch. Die Leichenstarre passt zwar, aber dieser Mann hier ist noch fast warm. Adrenalin erzeugt Bluthochdruck, das würde auch die Augen erklären. Der Körper wird wärmer, der Mann kann also durchaus auch erst in den frühen Morgenstunden verstorben sein. Vor vielleicht drei oder vier Stunden. Das Stresshormon würde auch die Milchsäure-Produktion erklären.“
Eine weitere Pause des Überlegens, Falconi sortierte seine Gedanken. 

Etwas schien nicht zu der Idee zu passen: Niemand stirbt im Schlaf auf seiner Couch an einem Adrenalinschock…

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