Rezension: Cthulhu Invictus

Dass ich seit Langem auf historisches Rollenspiel stehe, ist kein Geheimnis. Ich habe bereits nach einem halben Jahr Pen and Paper ein Brett als Spielleiter begonnen. Blutjung im Hobby und noch Jünger als Spielleiter habe ich direkt eine Open World Sandbox Kampagne im alten Rom 80 vor Christus ausgeschrieben, die mich ein Jahr fasziniert hat. Nun wage ich mich erneut an meine Wurzeln: Mit Cthulhu Invictus!

Die Fakten

196 Seiten

Preis: 40 – 50 €   //   Preis pro Seite: 20 Cent

Erschienen: August 2018

Autor: Oscar Rios

Alle Wege führen nach Rom

Bereits im Jahr 2009 erschien bei Chaosium ein Regelwerk zum Imperium Romanum. Aus einem alten Monograph haben ein paar Studenten den Regelaufsatz für Basic Roleplay geschrieben und zahlreiche historische Details ergänzt. Über das Cthulhu Forum und den Lateinlehrer und Blogger Dis Invictis habe ich zahlreiche Ideen verdichtet und mich dann für eine Zeit entschieden. [Ich möchte hier betonen, dass nicht jeder Latein sprechen können oder Geschichte unterrichten muss – tue ich auch nicht.] Das Imperium besteht seit Augustus, dem ersten Kaiser von Rom und je nach Regierung verändert sich auch der Ton einer Kampagne. Von den Eroberungsfeldzügen in Germanien, finsteren Wäldern von Shub-Niggurath oder den Intrigen in der Hauptstadt kann alles dabei sein. Schlagenmenschen in Ägyptischer Kolonie oder das Brennende Rom durch Nero. Ich selbst habe nach dem Studium des alten Buches damals alles verworfen und mich mit Rome: Life and Death of the Republic um die Prä-Caesar-Zeit gekümmert.

Golden Goblins

Nach vielen Jahren hat sich nun Oscar Rios die Lizenz unter den Nagel gerissen und mit einer Kickstarter-Kampagne mehr als $40.000 gesammelt. Der Ergänzungsband mit den neuen Cthulhu 7 Regeln greift dabei viele Dinge auf, die auch in der alten Edition bereits im Buch waren. Das liegt wohl aber viel mehr daran, dass sie den nötigen Flair für die damalige Zeit vermitteln: Wie ist eine römische Familie aufgebaut oder der Tagesablauf gegliedert? Welche Rechte haben die Bürger von Rom oder neu-zugezogene “Barbaren” aus Gallien? Reichen die Berufe aus dem Grundregelwerk?

Apothekerin und Liktoren

Natürlich spielen wir keine Polizisten oder Reporter sondern wählen aus zahlreichen neuen Professionen des Bandes. Als angesehener Baumeister oder Gladiator verdienen wir unsere Sesterzen und Aureale. Es gibt ein Kapitel zu Begleitern wie Hunden oder abgerichteten Adlern und wichtigem Equipment. Auch die Talente werden leicht abgewandelt oder ergänzt. Verfolgungsjagden werden nicht mit Autos oder Kutschen ausgewürfelt, sondern mit Eselkarren [oder ihr lasst es einfach]. Eure Investigatoren werden nicht mit Pistolen ausgestattet, ihr bekommt ein Pilum und Kurzschwert in die Hand.

Religion als Stärke

Roms Unterwelt und Mythen dazu daran waren sehr ausgeprägt und gelebter Polytheismus an der Tagesordnung. Vor der Einnahme einer Stadt haben die Eroberer oft den feindlichen “Stadt-Göttern” einen Tempel zuhause gebaut und ihn mit sinistren Ritualen überzeugt in Rom einzuziehen. So kam es, dass in der Italienischen Hauptstadt auch dunkle Kulte ohne viel Hinterfragen angenommen wurden. Der Fischgott der Philister Dagon mit seinen Tiefen Wesen ist zwar eine Randerscheinung, doch wen würde es wundern, wenn sie aus dem Tiber steigen? Die Griechen haben schon ihren Zeus oder Hera gegeben, aus Ares wurde Mars. Doch was wäre wenn die Avatare von Tsathoggua oder Nyarlatothep umherwandern und rekrutieren? Rom ist ein Moloch und hat tiefe gefährliche Gassen!

Mystische Artefakte

Wer schon immer einen Magier spielen wollte, der käme hier wohl sehr viel eher an Schriftrollen. Die Pyramiden wurden noch nicht geräubert. Hinter Eurasien und dem fernen Osten endet die Welt. Ein Bestiarium folgt auf das Kapitel mit Zaubern und Ritualgegenständen. Wir könnten neben klassischen Monstern auch gegen Zentauren oder die Hetz-Hunde von Zerberus (Tindalos?) streiten. Zyklopen, Furien und Gorgonen lassen uns die Weltreise von Odysseus nacherleben.

Motivation für den Soldaten!

Wieso sollten unsere Charaktere ausziehen und Abenteuer erleben? Eine Gruppe aus fünf Veteranen oder vier Vestalinnen wären denkbar, doch was machen wir mit dem Exoten? Die beste Motivation [die ich damals auch benutzt habe] ist der Patron und seine Klienten: Eine reiche Patrizierin, die aus “Langeweile” eine Gruppe Spezialisten vereint und sie für ihre Ambitionen benutzt. Ob dies ein Bankett am Abend ist bei dem sie Muskeln spielen lassen sollen oder das Treffen auf dem Marktplatz mit Freundinnen. Ähnlich wie die Janus-Gesellschaft könnte man auch hier Kulte und Organisationen benutzen, die Mythos-Hintergrund haben, aber ich empfehle Ersteres.

Provinzen und Militär

Es folgt ein Kapitel zu den Soldaten des Reiches, die ein Volk nach dem Anderen integrieren und ihnen die Wege nach Rom eröffnen. Je nach Zeit und Kaiser wächst das Reich oder zerfällt wieder durch mangelnde Grenzsicherung. Die Hauptstadt selbst wird ebenso beschrieben. Abschließend folgen in dem Buch einige Szenarienvorschläge, die das Setting vertiefen und neuen Spielleitern Ideen an die Hand geben, was ihr nun mit dem Buch spielen könntet.

Kritik

Mein größter Kritikpunkt bezieht sich auf das Layout. Zwar sind die Boxen richtig angeordnet, aber der Schrift-Font ist fast unleserlich! Das ich in einer fremden Sprache lesen muss, (bisher gibt es noch keine deutsche Übersetzung) ist weniger störend als der künstlich altertümlich wirkende Zeichensatz. Ich muss hier leider Punkte abziehen, denn das stört mein Leseverhalten sehr und ich kann den brillianten Inhalt fast nicht würdigen. Die Bilder im Buch sind von wechselnder Qualität und mal farbig, dann wieder schwarz-weiß. Das Layout lässt mich so etwas verwirrt zurück.

Recherche

Historische Szenarien bedürfen immer viel Vorbereitungen. Das Buch nimmt mir viel ab und ich muss eben keinen Ovid im Orginal lesen oder den Caesar de bello gallico nachschlagen. Cthulhu Invictus von Rios macht viel richtig, greift Altbekanntes aus dem Orginal wieder auf. Brauche ich das Buch, wenn ich die alte Version von Chaosium habe? Wohl nein. Wer bereits eines der oben verlinkten Werke hat, der muss hier nicht noch einmal zugreifen. Lest euch etwas ein, gewöhnt euch an den Font und dann entführt eure Spielerinnen und Spieler in die wunderbare Welt von Cthulhu Invictus!

Wie gehts bei mir weiter?

Wie oben bereits beschrieben, gab es schon eine Kampagne bei mir. Ich werde erneut eine beginnen, wohl aber erneut in der Republik, nicht im Kaiserreich. Alle Macht den Senatoren und nicht dem Imperator. Mehr dazu erfahrt ihr, wenn es meine Zeit zulässt, hier auf der Homepage!

Es gibt bereits die Möglichkeit in eine Kampagne reinzuhören, die Legenden von Arrius Lurco sind auf englisch als Podcast verfügbar.

Lasst Andere die alten Zeiten loben – Ich bin froh, dass ich in ihnen geboren wurde.

 – Ovid

 

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