Rezension: The Spire

System Matters sollte dem geneigten Leser als Podcast und Verlag sicherlich ein Begriff sein. Wieder einmal haben sie beides miteinander kombiniert und eine Settingbeschreibung einer ihrer neusten Publikationen aufgenommen. Daniel und Frank stellen in fünf verschiedenen Folgen zu den Charakteren, dem Kampf und der Stadt The Spire vor und haben mir Lust auf das Buch gemacht.

Die Fakten

220 Seiten

Preis: 25 €   //   Preis pro Seite: 11 Cent

Erschienen: Juli 2020

Autor: Grant Howitt und Christoph Taylor

Nieder mit der Stadt!

Spire ist eine gewaltige Stadt. Ein Turm, der in den Himmel ragt und viele verschiedene Ebenen in sich birgt. Wer ihn aufgestellt hat, weiß keiner. Es gibt zahllose Gerüchte über die Erbauer oder das “Wachstum” des Turms, doch niemand weiß genaues. Bewohnt wird Spire von Elfen. Das Rollenspiel lässt und revolutionäre Elemente spielen, die gegen die diktierende Herrschaft aufbegehrt. Die Hochelfen haben vor einiger Zeit Interesse an der Stadt gezeigt und in einem brutalen Eroberungskrieg die Dunkelelfen verdrängt, die nun geknechtet zwischen ihren Besatzern leben. Ihr übernehmt eine Gruppe aus Rebellen, die Stück um Stück Spire zurückerobern wollen.

Und da haben wir das erste Problem

Da Spire eigentlich den Drow gehört, dürft ihr nicht wahllos Bomben zünden und Offiziere töten. Gebäude müssen neu gebaut werden und die Hochelfen schicken neue Unterdrücker, die noch brutaler sind als zuvor. Es gilt also, dass ihr möglichst heimlich und leise eure Rückeroberung plant, Spione in hohe Positionen bringt und alles wie ein Unfall aussehen lasst. Neben unglaublich vielen Charakteren mit noch mehr Hintergründen könntet ihr auch technisch versierte Menschen spielen, die sich dem Kampf anschließen. Doch wer wollte nicht schon immer mal eine Spinnen-Brutmutter spielen oder einen Aaspriester?

Das Setting

Spire setzt auf Weirdness. Kein Begriff im Deutschen ließe sich wohl treffender finden, daher bleibe ich bei dem Englischen. Zum Einen haben wir viele Steampunk Elemente, die es mich mit dem düsteren Blades in the Dark vergleichen lassen. Zum anderen gibt es die seltsame Mischung aus Magie und Physik: Eine unendliche Bibliothek in verborgenen Globulen, gekrümmt in einer Lemniskate (auch Möbiusschleife genannt) und deshalb nie vollständig erforschbar. Das Buch bietet viele Ideen für die Spielleitung um abgedrehte Elemente des Spire den Spielerinnen zu präsentieren. Es macht Spaß die zahlreichen Stadtviertel zu erkunden, die Gebäude zu inspizieren und ihre Bewohner kennenzulernen. Von der Spitze des Turms mit den Bienendruiden geht es hinab zu den Mondkulten und Lustschlössern. In der Mittelstadt erwarten und die Gefängniswaben, die Madengruben und der Kupferrote Teich. Im untersten Bereich flüstert man den Namen Derelictus nur noch und kennt die legenden vom lichtlosen Ufer.

Die Charaktere

Wie ich oben bereits beschrieb ist die Vielfalt der Charakterkonzepte unglaublich groß. Alles beginnt zunächst mit dem Frondienst in den Reihen der Hochelfen, der AElfir. Habe ich als Arbeiter in den Fabriken von Spire geschuftet oder als Gelehrter in den Akademien die Anatomie studiert? Bin ich menschlicher Botschafter für technische Errungenschaften oder Auftragsmörder für die Intrigen des Adels? Bereits beim Hintergrund gabeln sich die Motivationen für die späteren Professionen massiv. Wenn ihr euren Frondienst geleistet habt, dürft ihr euch gnädiger Weise euren Drow anschließen und eure merkwürdigen Kulte ausleben. Ob ihr dann Todesanbeter werdet, Schuldeintreiber der Azuriten oder Hebamme der Spinneneier für Drow – die Berufe haben weitere Spezialisierungsmöglichkeiten und laden zum Charakterbau “einfach mal so” ein.

Kritik

Die Einstiegshürde für Spire ist dank der 5 kurzen Podcast sehr niedrig wie ich finde. Ich kann mich durch die Erzählungen von Frank und Daniel schnell in die Regeln einarbeiten und die Welt fühlen. Ich bekomme beim Lesen des Buches direkt Lust auf die Erkundung der Turmviertel und will viele verschiedene Shadowruns planen, eigene Spione einsetzen oder Wachen bestechen. Zudem bietet Tabletop Audio zur Zeit sieben verschiedene Titel, die einzelne Bereiche des Spire untermalen! Wer das Tropfen von Derelictus oder die Eiskristallvillen von Amaranth hört, der will sie besuchen. Auf der Drachenzwinge gibt es bereits eine aktive Poolgruppe aus Dunkelelfen, der ihr euch ebenso anschließen könnt, wenn ihr reinschnuppern mögt. Spire ist sicherlich nicht für alle Rollenspielerinnen was, doch wer sich mit der weirdness anfreunden kann, wird den Spire nie verlassen wollen. Magie, Technik, Götter, Physik und Rebellion wurden in ein passiges Setting gedrückt und in dem kolossalen Turm eingesperrt!

Wer noch mehr zum Thema Macht, Herrschaft und Ausübung von Gewalt hören möchte, der hört sich gerne den neusten Wintersturm an, der eben dies thematisiert! Viel Spaß

 

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Mirko

Spire ist ein echter Geheimtipp und auch ein Meisterwerk. Das Setting ist sicher toll aber das geniale sind die Klassen und deren Fähigkeit, die im Grunde fast nur auf der Meta bzw. Spielleiter Ebene arbeiten. Aber auch das mechanische Spiel ist so “rund” wie man es selten findet. Spire ist für mich ein Spiel in der Liga mit Dungeon World und Blades in the Dark.

[…] es auch mal wieder eine Rezension auf Frosty Pen and Paper für euch. Er hat sich das Rollenspiel The Spire für uns angesehen, dessen Kernthema Widerstand lautet. Es geht um die Unterdrückung der Drow […]

[…] findet ihr noch weitere Rezensionen von mir neben EXIT der versunkene […]