Wintersturm #20 – Asymmetrie am Spieltisch

Asymmetrie am Spieltisch Torsten starrte verzweifelt auf sein Charakterblatt und verstand die Werte nicht. Welchen Würfel brauchte er jetzt nochmal für eine Probe auf Körperkraft? In Martins Würfelbecher klimperten bereits die hochglanz Edelstahlwürfel und mit einem lauten HAA knallte er sie auf den Tisch. Tobi schaute hinter seinem Spielleiterschirm auf und nickte. “Okay Torsten, du musst nichts mehr machen, Torsten hat ihn erschlagen. 46 Schaden, das reicht für 3 Leute.” Frosty blickte genervt zu Torsten und schüttelte den Kopf. “Du verstehst auch garnichts oder? Wir haben dir schon zweimal erklärt wie das geht. Du spielst seit drei Stunden mit uns, wieso kannst du das noch nicht?”

Asymmetrie am Spieltisch

Martin, Tobi, Torsten und Frosty sprechen heute erneut über Asymmetrie. Damals in Folge 8 ging es um die Asymmetrie im Rollenspiel. Wie könnt ihr Stufen am Tisch anpassen, der Lehrling und der Gelehrte oder der Knappe und der Ritter. Wir beschäftigen uns nun mit Ungleichheiten, die aus Erfahrungen herrühren. Der Rollenspielveteran hatte damals mit Dungeons and Dragons angefangen. Die legendäre rote Box steht in der Vitrine und alles was später als ’85 raus kam ist Neumodisch. Neben ihm sitzt der Neueinsteiger. Durch die sozialen Medien ins Hobby gekommen, will er nun zum ersten Mal auch würfeln. Seine Vorbilder hatten ziemlich viel Spaß und diese Gruppe hier suchte einen Krieger der Stufe 8. Da sein World of Warcraft Tank sogar LvL 60 war, hat er sich beworben.

Neuling vs. Veteran: Eine Chance?

Verachtung und ein “von oben herab” helfen niemandem. Jede neue Gruppe muss sich finden und auch ein Spielerwechsel ändert die Dynamiken massiv. Alphatierchen braucht keiner und doch gibt es sie. Wie gehe ich mit Stress um, der Zwangsläufig entsteht? Wir sprechen über Spieler-Psychologie. Wir sprechen über das Mittelalter oder wieso eine Panzerfaust nichts in diesem Kübelwagen verloren hat. Rechthaberei und den Spaß am Spieltisch trotz der Asymmetrie am Spieltisch… Viel Spaß wünschen wir euch bei der Folge 20: Asymmetrie am Spieltisch. Falls euch die Diskussion gefällt, dann hört euch auch die anderen Podcast von uns und dem Wintersturm an.

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Die Musik wurde mir freundlicherweise von Erdenstern zur Verfügung gestellt: Musik komponiert von Andreas Petersen

6 Kommentare

  1. Ich lasse mal ein paar persönliche Erfahrungen/Tipps zu dem Neulingsthema da, obwohl mir das „Graue Mäuse als Mitspieler“-Thema tatsächlich aktuell mehr Kopfzerbrechen bereitet. Ich versuche mich nicht vorzudrängen, aber wenn ich jemandem den Vortritt lasse oder sogar direkt den Ball zuspiele und dann es kommt nichts mehr, dann bin ich irgendwann mit meinem Latein am Ende, denn Kommunikation ist mit diesem Spielertypus ja auch außerhalb des Spiels so eine Sache…

    Aber zum Thema Neulinge:
    Ich schicke Neulinge gerne als erstes auf die Suche nach einem Charakterbild. Dann kriege ich eine Vorstellung davon, worauf sie Lust haben, und baue dann einen Charakter, der möglichst nah an diese Vorstellung rankommt.
    Es stimmt, dass es trotzdem was Regelleichtes sein sollte. Andererseits … mein erster Spielleiter hat das bei mir versucht und ich habe gestreikt, weil ich seine Vorschläge langweilig fand. Ich wollte unbedingt was Magisches und war dann auch motiviert, mich selbst in die Regeln einzulesen. Also vielleicht ist es am Ende doch wichtiger, dass der Spieler Lust auf den Char hat. Besser wäre es aber sicher, wenn sich regelleicht und motivierend verbinden ließen…
    Im Spiel handhabe ich es so, dass ich mir von dem Neuling erzählen lasse, was er tun will und erkläre ihm dann, wie er das im Rahmen des Systems tun KANN, also was zu würfeln ist und was das (Würfel-)Ergebnis dann bedeutet. Wir hatten auch schonmal ein Kampftraining mit gemeinsamem Regelbücher-Wälzen, weil plötzlich mehr Neulinge als Veteranen in der Gruppe waren.
    Zu guter Letzt möchte ich noch sagen, dass ich schon überraschend viele Neulinge gesehen habe, die ohne jeden Vorlauf gleich darstellerisch ziemlich gut waren bzw. sehr gut mit den wenigen Infos gearbeitet haben, die sie hatten.

  2. Toller Podcast wie immer. Höre ihn meist im Zug. Eine kurze Frage zum Thema Fasshexenstuka: Das das als Spieler destruktiv ist, habt ihr ja gesagt. Aber wie ist es als SL? Findet ihr man darf sowss den Spielern als Boss präsentieren? Gerade in Tharun bietet sich sowas für die fliegenden Krieger, die es gibt ja an.

  3. Hallo Einheit,

    zuerst mal, freut uns sehr, dass Dir unser Cast gefallen hat. 🙂

    Zu dem Thema Fasshexenstuka, meine ganz persönliche Meinung: Ich würde so eine Figur auch nicht als Spielleiter in die Welt schreiben. Denn damit fordert man die Spieler geradezu heraus, es einem gleich zu tun und sich ähnliche Regellücken zu suchen und damit zu spielen.

    Wenn ich einfach nur einen besonders fordernden Kampf gegen einen fliegenden Gegner möchte, dann brauche ich als Spielleiter keine Regellücke dazu. Dafür gibt es genug andere Möglichkeiten das stimmungsvoller zu machen, ohne dabei Tropes zu verwenden, die dann eher die immersion brechen, weil sie anachronistisch wirken.

    Wenn ich an einen Sturzkampfbomber denke bin ich aus meinem Frühe-Neuzeit-Flair einfach draußen.

    Am Ende ist das aber eine Stilfrage, wenn alle am Tisch gerne genau so spielen wollen – warum nicht.

    Viele Grüße
    Martin

  4. Wie immer ordentlich sortiert und fundiert diskutiert.
    Ich sehe mich gerade in der Position in einer DSA Runde einem sehr großen Anteil an “Neuling sein” zu begegnen. Mit einem Spieler habe ich gemeinsam einen Helden gebaut, einer hat den vorgeschlagenen Archetypen gekauft und die übrigen Spielerinnen haben das größtenteils selbst erledigt. Natürlich gab es gewisse Fragen, aber problematisch habe ich das zu keinem Zeitpunkt erlebt.
    Wenn es wieder ans Würfeln geht erkläre ich oftmals noch kurz wie das war. Talentprobe bedeutet drei Würfe gegen die Eigenschaften, die bei dem Talent aufgeführt sind. Verteidigung, nur ein Würfel gegen den Wert auf dem Kampfbogen. So muss sich keiner überwinden zu fragen und beim dritten Wurf innerhalb einer Sitzung weiß jeder auch ohne Erklärung wieder Bescheid. Insgesamt kann ich entgegen meiner eigenen Vorurteile nicht bestätigen, dass Regeln ein Hindernis sind. Wenn du den Magier spielen willst, dann tu es. Wenn Regeln jemanden daran hindern, dann sind sie schlecht designt. Mir persönlich erging es so mit den Matrix-Regeln von Shadowrun. Das würde ich insbesondere für Neulinge nicht ohne Modifikationen empfehlen.
    Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen habe ich mich gefragt wo Assymetrien vorteilhaft für das Spiel sein können. Vielleicht sollten wir solche Dinge öfter als Chance begreifen und die Frage stellen wie wir diese produktiv ins Spiel integrieren können.
    Tatsächlich habe ich aber auch ein Negativ-Beispiel für den Punkt Fachwissen einzelner Personen. In einer Runde schlossen verschiedene Spieler bestimmte Kampagnen aus, weil sie befürchteten von dem “Fachmann” beim Spielen ihrer Figur bevormundet zu werden. Am Ende sind Assymetrien vielleicht nur dann problematisch wenn jemand daraus einen Machthebel ableitet. Wenn Unterschiede konträr und nicht komplementär fokussiert werden, dann ergibt sich daraus natürlich ein Konflikt, der in der Regel nicht erwünscht ist.

    1. Das manchmal Spieler einer guten Kampagnenidee eine Absage erteilen, aus Furcht dabei von einem Mitspieler übermäßig dominiert zu werden, ist schade. Und oft völlig unbegründet! Ich habe wesentlich öfter erlebt, dass sich sowas in Luft auflöste, als das es wahr wurde. Manchmal muss man die Spieler auch ein wenig zu ihrem Glück zwingen. Solange sie der Spielleitung vertrauen und die Spielleitung einigermaßen weiß, was sie tut, wird es oft schon was werden. 🙂

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