Wintersturm #26 – Regelbrechen als Spielleitung

Regelbrechen als Spielleitung? Martin schaute auf die Würfel hinter seinem Schirm. Mist, schon wieder zu hoch gewürfelt. Er brauchte unbedingt einen Erfolg für seinen Oger. “Ja, er hat getroffen. Knapp, aber geschafft! Er würfelt 3W6 und fegt mit seiner Keule für 17 Trefferpunkte in eure Reihen” Tobi und Torsten schluckten und strichen sich die Leben aus dem Charakterbogen. Torsten griff selbst zum Würfel. Ein Kritischer Treffer, was ein Glück. Schaden wird verdoppelt und sein Schwert war magisch und mit Weihwasser getränkt. “36 Schaden, das müsste reichen. Juchu”. Martin blickte auf die Wunden des Ogers und ärgerte sich erneut. Das Monster war nach Regeln im stark negativen Bereich. “Nee, er hat noch welche. Der Oger ist besser als andere, weil er Untot ist!”

Darf der Spielleiter die Regeln brechen?

Martin, Tobi, Torsten und Frosty sprechen heute über Regelbrechen als Spielleitung. Was hinter dem sagenumwobenen Schirm so alles passiert, weiß niemand. Er grenzt den Pöbel vom Meister ab. Wenn Würfel gedreht oder Zahlen gemauschelt werden, dann ist das sein gutes Recht! Außerdem kann ich es auch Ambosse und Klaviere regnen lassen, wenn mir danach ist. Seid lieber froh, dass ich für euch leite!

Viele Fragen, keine Antworten

Wir stellen in dieser Folge gezielt Fragen an denen ihr euch orientieren könnt. Mögt ihr es lieber wie die Preussen und bleibt hart zu euch selbst und euren Untergebenen? Oder aber beugt ihr Regeln oder sprecht über Konventionen am Tisch? Verändert ihr für eine tolle Geschichte die Tradition und was ist überhaupt der Unterschied zwischen all den Begriffen? Amerikanisches Vorbild im Rechtssystem wie ein Sheriff mit lockerem Revolver am Gürtel und dem Regelbuch im Kopf den Saloon betreten ist die eine Möglichkeit. Die andere ist bürokratisch und typisch deutsch immer nach den Paragraphen. Wer hat Recht? Viel Spaß wünschen wir euch bei der Folge 26: Regelbrechen als Spielleitung. Falls euch die Diskussion gefällt, dann hört euch auch die anderen Podcast von uns und dem Wintersturm an. Mehr von Donnerhaus findet ihr auf ihrer Homepage.

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Besprochene Episoden der Winterstürme:

Freude Schöner Götterfunken als Box – dort werden keine Regeln gebrochen!

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▬ Intro / Outro ▬

Die Musik wurde mir freundlicherweise von Erdenstern zur Verfügung gestellt: Musik komponiert von Andreas Petersen

2 Kommentare

  1. Schönes (oder eher wichtiges) Thema gut behandelt!

    Einen aufgeworfenen Gedanken möchte ich noch einmal rausgreifen, weil ich mit diesem Ansatz unabhängig von der Ausrichtung des Spiels seit längerer Zeit gute Erfahrungen gemacht habe:
    Als Spielleiter biete ich hier und da an, Regeln* situationsbedingt nicht anzuwenden. Die Spieler können dann auf der Regelanwendung bestehen, wenn ihnen das sinnvoll(er) erscheint.

    Aufgekommen ist das bei mir im Kontext sozialer Konflikte (bei der klassischen Frage nach dem (reinen) Ausspielen) und beim Großthema Pacing, hat sich aber mittlerweile zu einem allgemeinen Prinzip entwickelt.

    *Regeln sind das, worauf man sich geeinigt hat, mit den RAW als Ausgangsbasis. Zwar ist das Erstellen brauchbarer Hausregeln auch mal ordentlich Arbeit, aber ich habe durchaus Spaß an solchen Basteleien und zumindest meine Spieler nicken das oft genau so ab wie die “offiziellen” Regeln.

    Zuletzt: Sind Regeln grundsätzlich erst mal gut oder so lange schlecht, bis sie das Gegenteil bewiesen haben?
    Ich suche ein Stück weit die Mitte und sage: Schlechte Regeln sind allermeistens direkt erkennbar.

    Ein alter Freund aus Kinder- und Jugendtagen kann mich bis heute mit seiner Haltung in Rekordzeit auf die Palme bringen, dass die Autoren sich ja sicher irgendwas ganz besonders Cleveres gedacht haben und man sich daher strikt an die Regeln halten müsste, selbst wenn es zunächst so aussieht (!), als hätte das nur Nachteile…

  2. Hallo ihr Lieben, das war doch wieder mal ein sehr sehr informativer Podcast! Irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass in den Foren diejenigen im Recht sind, die das Beharren auf Regeln einfordern. Vielleicht der alte preußische Reflex, Regeln grundsätzlich nicht zu hinterfragen…

    Aber drei Dinge würde ich gern noch anmerken. Zum Ersten ist die Frage, die ihr zuletzt aufwerft, gar nicht so einfach zu beantworten. Ab wann ich als SL beschließe, einen Klettern-Wurf zu verlangen, hängt ja mit der Welt zusammen und wie die Welt beschaffen ist, entscheide ich. Das heißt, ich kann aus dramaturgischen Gründen entscheiden und dann meinen Spielern erklären, dass dieser Geröllhang nun wirklich nicht so steil sei. Da wird mir auch der größte Regelnarr nicht widersprechen können. Das heißt, ab welchem Punkt der Erzählung eine Regel angewandt wird, ist gar nicht so klar zu beantworten, und hängt sehr stark mit der SL-Intention zusammen.

    Zum Zweiten hat diese Einsicht auch etwas damit zu tun, wie wir den Quantenoger wahrnehmen. Denn eine “wahre” Welt hinter der erzählten, gibt es nicht (Zornhau spricht ja in diesem Zusammenhang von “Fakten” und FAKTEN). Und auch in Kaufabenteuern, die ja auch in gewissem Sinne überprüfbar sind, steht dann gelegentlich ganz salopp: “Egal, wie sich die Spieler entscheiden, sie gelangen nach einer Weile…”. Und da muss man sich als SL immer wieder fragen: Wo hört Railroading auf und wo ist es einfach nur eine entlastende Erzähltechnik der SL. Bestes Beispiel: Die SC finden einen Zettel, der ihnen im Wind davonfliegt und in einem Kamin landet. Sind sie geschickt genug, können sie es gerade noch so aus den Flammen ziehen und wenigstens einige Worte entziffern. Haben sie Würfelpech, dann verbrennt der Zettel fast und nur noch wenige Worte sind lesbar. Der Clou: Das Handout ist jedes Mal dasselbe. Ich finde das als SL maximal elegant und von der Story her in beiden Fällen spannend.

    Zum Dritten denke ich, dass vor allem Kampfregeln deswegen so leidenschaftlich gegen Interpretationen geschützt werden, weil der Kampf in den meisten Systemen ein eigenes Subsystem darstellt, das ganz anderen Gesetzesmäßigkeiten entspricht, nach gamistischen Maßstäben eben ein “Spiel im Spiel” ist. Lustigerweise merkt man diese Schizophrenie einigen Rollenspielen sehr deutlich an. In der alten Vampire-Edition lautete z.B. die Regel für das freie Spiel: “Tu, was du willst, und wenn du Lust hast, würfle!”, wohingegen der Kampf krampfhaft verregelt war: mit drei Schadenstypen, Manövern, Modifikatoren und sicherer Höchstgeschwindigkeit für Sattelzüge (übrigens 110 km/h)… Wie ihr ja sehr richtig angemerkt habt, ist es eine Frage der Prioritäten, wer (Regeln oder Story) hier wem dient. Aber aus der Perspektive des Gamismus ist es nachvollziehbar, dass Kampfregeln zumindest nicht gebrochen, erweitert oder all zu frei interpretiert werden dürfen. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, Schachregeln zu verändern. Anders ausgedrückt: Nicht die Logik der Regeln oder die Universalität ist zentral, sondern die Ausgewogenheiten der Begegnungen.

    Und zuletzt frage ich mich, warum ihr gar nichts über das Würfeldrehen gesagt habt; das gilt ja als *die* Todsünde unter den Regelbrüchen. Vielleicht habt ihr ja dazu noch einen schlauen Gedanken? 😉

    Beste Grüße
    Herr Littelmann

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