Was ist Band of Blades? Eine Actual Play Reihe von Chembael

Band of Blades im Actual Play

Ist Band of Blades das optimale System für ein Actual Play? Wahrscheinlich nicht. Ist es ein gutes System? Auf jeden Fall! Vielleicht sogar ein großartiges. Wir zeigen in unserem Actual Play bei Frosty Pen and Paper, wie es sich in der Praxis spielt.

Aber was ist Band of Blades überhaupt?

Die Spielmechanik

Band of Blades (2019) wurde von Stras Acimovic und John LeBoeuf-Little entwickelt und basiert auf dem Ruleset von Blades in the Dark (2017). Das heißt, man würfelt, wie in Blades in the Dark, mit W6 auf relativ abstrakte und deswegen vielseitig einsetzbare Actions (z.B. Maneuver oder Consort), wobei im Fall mehrerer W6 der höchste Wert gilt. Eine 1-3 bedeutet einen Misserfolg, eine 4-5 einen Erfolg mit negativen Nebeneffekten und eine 6 einen ungetrübten Erfolg. Je nach Position und Effekt, die durch die Spielleitung festgelegt werden, fallen die Konsequenzen unterschiedlich aus. Ist die Ausgangsposition beispielsweise „desperate“ kann eine 4 oder 5 durchaus bedeuten, dass der Spielercharakter zwar seinen Gegner erschießt, aber im gleichen Moment selbst tödlich getroffen wird. Doch allen Konsequenzen kann über die Stressmechanik widerstanden werden, was jedoch auch nicht ohne Risiken ist. Wenn man Pech hat, überlebt der Spielercharakter zwar, trägt aber ein bleibendes Trauma davon.

Man sieht also schon an der Mechanik, dass Systeme der Marke Forged in the Dark, durchaus ernste Themen verhandeln, und das gilt auch für Band of Blades.

Dark Military Fantasy

Wir spielen in dem Band of Blades die kläglichen Überreste der einst 1000-köpfigen Legion, die in der Schlacht gegen die untoten Heere des Cinder Kings aufgerieben wurde und nun versucht, vor Einbruch des Winters die Feste Skydagger Keep zu erreichen und den Cinder King am Pass aufzuhalten, bevor er auch noch in ihre Heimatländer, die sogenannten Östlichen Königreiche, einfallen kann. Dabei steht sie – und damit auch die Spielrunde – unter hohem Druck, denn die Zeit tickt. Das wird auch von der Spielmechanik abgebildet, was zur Folge hat, dass die Kampagne einerseits einen klaren Endpunkt hat (die Schlacht um Skydagger Keep), andererseits aber schon vor dem großen Finale scheitern kann, selbst wenn noch Charaktere am Leben sind.

Man spielt in Band of Blades nämlich nicht nur einen, sondern eine Vielzahl von Spielercharakteren, von denen manche in anderen Rollenspielen wohl NSCs wären. In Band of Blades aber haben auch diese Nebenfiguren die Chance, zu Helden und Hauptfiguren zu werden, wenn sich ein Spieler ihrer annimmt. Allerdings können sie auch leicht auf den Missionen sterben. In diesem Fall gewinnt ihr Tod jedoch zumindest eine persönliche Note, wodurch auch gewöhnliche Soldaten und Rekruten mehr als Kanonenfutter sind.

Die Erwählten und die Gefallenen

Auf der Seite der Legion steht ein mächtiger NSC – eine Erwählte der Götter, welche die Legion mit den Gaben ihrer Gottheit unterstützt, aber ebenso oft Quelle von Problemen wie von Lösungen ist. Gejagt wird sie von zwei der mächtigsten Diener des Cinder Kings: den sogenannten Broken, die ebenfalls von den Göttern erwählt, aber vom Cinder King gebrochen wurden.

Sowohl an Broken als auch an Chosen stehen jeweils drei zur Auswahl, die durch die thematischen Schwerpunkte, die sie repräsentieren, den Ton für die Kampagne setzen. Die Gefallene Blighter bringt beispielsweise das Thema Body Horror ins Spiel, ihr thematisches Gegenstück, die Erwählte Shreya, den Komplex Gnade, Heilung, aber auch Strategie.

Meta-Ebene und Player Agency

Apropos Strategie… Während man in der Missionsphase die Legionäre spielt, spielt man in der Kampagnenphase den Kommandostab der Legion – diejenigen, die die wichtigen Entscheidungen treffen: Commander, Marshall, Quartermaster, Spymaster und Lorekeeper, wobei die letzteren beiden optional, aber auf jeden Fall eine Bereicherung sind.

Diese sogenannten Kampagnenrollen dienen in erster Linie dazu, die Spielleitung zu entlasten und die Verwaltung der Legion auf mehrere Schultern zu verteilen. Diese kluge Designentscheidung hat aber auch noch einen begrüßenswerten Nebeneffekt: Player Agency. Nicht nur wird die Spielleitung vor dem Burnout bewahrt, sondern die Spielenden gewinnen auch auf sehr greifbare Weise Einfluss – nicht nur auf das Schicksal der Legion, sondern auf das Spiel selbst. Sie kreieren Figuren, Orte, Historie, beantworten die Fragen der Spielleitung danach, wie Dinge in dieser Welt funktionieren oder wie welche Figur in einer Situation reagieren würde und machen so das Spiel zu ihrem eigenen.

Stärken und Schwächen

Manch einem mag das zu ‚brettspielig‘ oder zu ‚meta‘ sein, aber hier schlummert auch Potenzial zur Demokratisierung des Rollenspiels: Die Verantwortung für das Gelingen der Sitzung oder der Kampagne liegt nicht allein bei der Spielleitung, sondern bei allen. Eigentlich sollte das ja bei Rollenspiel immer der Fall sein, aber Band of Blades befördert das aktiv durch seine Struktur.

Die Aushandlungsprozesse, die das mit sich bringt und die Stärke und Schwäche von Demokratie zugleich sind, sind vielleicht nicht unbedingt das, was man sich von einem Actual Play erwartet, weil sie sonst eher weggeschnitten werden oder sowieso nur im Kopf der Spielleitung stattfinden. Doch in Band of Blades ist diese Vogelperspektive, die sonst hauptsächlich die Spielleitung innehat, untrennbar mit tiefem, emotionalem Rollenspiel verwoben – wenn man sich darauf einlässt.

Jede einzelne Person am Tisch ist in Band of Blades bis zu einem gewissen Grad Spielleitung, kann die Geschicke der Legion lenken, Szenen setzen und Welt gestalten. Wir wollen euch zeigen, wie das in der Praxis aussehen kann, deswegen nehmen wir unsere Band of Blades-Kampagne auf und veröffentlichen sie nach und nach unter:

Der Artikel erscheint zusätzlich auf: https://pnpnews.de/

Chembael

Chembael ist seit Anfang 2020 Spielerin in der DSA-Kampagne Bahamuths Ruf auf dem Youtube-Kanal Frosty Pen&Paper Online. Dort veröffentlicht sie auch sporadisch Lore-Videos und Rezensionen zu DSA. Privat hat sie aber auch schon viele andere Systeme gespielt. Ihr besonderes Interesse gilt der Funktionsweise und spezifischen Medialität des Pen&Paper-Rollenspiels.

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