Interview mit Tom Jacobs zur Hörbuch-Reihe “Horus Heresy”

Ich habe mich mit Tom Jacobs unterhalten und ihn zu seiner Arbeit als Hörbuch-Sprecher befragt. Er leiht seine Stimme nicht nur Werbespots im Fernsehen und bekannten Personen im Computerspiel (Dead Space, Witcher), er spricht seit geraumer Zeit auch die Hörbücher der Horus Heresy ein. Seitdem haben viele Fans einen Zugang zu der monströsen Reihe gefunden – ein Grund für mich mit Tom über seine Arbeit zu sprechen.

Wie kamst du zu deinem Beruf als Sprecher / Schauspieler? 

Tom Jacobs – © Fotograf Wolfgang Vollmer

Ich hab schon als Schüler Theater gespielt, in verschiedenen Bands gesungen und gemerkt, dass ich mich auf einer Bühne recht wohl fühlte. Da war es naheliegend, mich an einer Schauspielschule zu bewerben und an der staatlichen Hochschule in Rostock wurde ich tatsächlich angenommen!
Nach ein paar Jahren im festen Theaterengagement ging ich nach Köln um dort freischaffend zu arbeiten. Neben Musik und Theater wurden mit der Zeit Sprachaufnahmen immer wichtiger für mich: Vor einem Mikro zu stehen war mir als Rocksänger ebenso vertraut wie ich als Schauspieler natürlich weiß wie man unterschiedliche Rollen gestaltet und das auch sprachlich darstellt.

Würdest du deinen Beruf anderen empfehlen? Würdest du heute etwas anders machen? 

Ehrlich gesagt wüsste ich nicht, was ich sonst machen sollte 🙂
Eigentlich stehe ich jeden Morgen auf und freue mich, dass ich diesem Beruf nachgehen kann. Klar, gab und gibt es immer wieder Zeiten, in denen es nicht so läuft: keine Engagements, kein Geld, Selbstzweifel, Kollegen und Kolleginnen mit denen ich nicht so gut zurechtkomme, aber in irgendeiner Form kennt das doch jeder, oder?
Ich weiß nicht ob ich diesen Beruf empfehlen kann. Man sollte nicht zu viel erwarten. Und um als Schauspieler oder Sprecher dauerhaft zu arbeiten, braucht es Durchhaltevermögen, Fleiß, Spaß an der Sache und natürlich auch immer etwas Glück.

Du liest viele Bücher FÜR „Nerds und Geeks“ wie Warhammer oder Perry Rhodan. Bist du selbst ein Nerd?

Keine Ahnung , ob sich Warhammer oder Perry Rhodan-Fans als Nerds oder Geeks bezeichnen würden. Ich kann durchaus verstehen wenn sich Leute intensiv mit einem Thema beschäftigen, vielleicht sogar einen Teil ihres Lebensrhythmus danach ausrichten.
Für mich stehen die Geschichten, die ich erzähle, im Vordergrund. Das Gleiche mache ich doch auch als Schauspieler oder Sänger: Eine Geschichte möglichst so zu präsentieren, dass die die zuhören mit reingezogen werden, Spaß haben unterhalten werden, sich vielleicht sogar Gedanken dazu machen.

Wie kam der Kontakt mit EinsAMedien zustande?

Ich war mit einer anderen Produktion bei EinsAMedien zu Gast und habe bei der Gelegenheit ein Demo dort gelassen. Ziemlich viel später bekam ich eine Einladung für ein Casting für die erste Perry Rhodan-Hörbuchreihe. Das hat zwar nicht geklappt, aber immerhin wurde ich für ein paar Hörspielrollen
angefragt. Beim nächsten Casting haben sie mich dann genommen!

Wusstest du, welches Monster auf dich zukommt (immerhin hat die Horus Heresy weit über 50 Büchern) ?

Nein. EinsAMedien hat mir auch hier wieder ein Casting angeboten (was man als Freischaffender sowieso grundsätzlich erstmal nicht ausschlägt) und da HH einen spannenden ersten Eindruck machte, habe ich mitgemacht. Am Anfang war das zuallererst ein Versuch, ob ein deutsches Hörbuch der Black Library überhaupt Hörer findet. Das heißt, es ging erstmal um die ersten drei Bände. Gefällt das den Fans? Gibt es genug Käufer? Passt der Sprecher? Tja, und jetzt habe beinahe schon die Hälfte der Bände eingesprochen.

Kennst du die Bücher bereits oder liest du diese erst in Vorbereitung auf deine Sprecher-Rolle?

Nein, ich lese die Bücher tatsächlich erst wenn eine Sprachaufnahme ansteht. Mittlerweile bin ich ja schon ganz gut im Stoff, was grundsätzliche Zusammenhänge, einzelne Personen etc. angeht, so dass ich mich voll auf den jeweiligen Roman konzentrieren kann. Und ich hoffe, dass ich ein bisschen von meiner persönlichen Neugier, wie es weitergeht, transportieren kann.

Gibt es Drehbuch- oder Regieanweisungen, die im normalen Roman nicht vorkommen? Interpretierst du die Protagonisten der Bücher frei nach deiner Einschätzung?

Während der Vorbereitung mache ich mir schon umfassende Gedanken über die einzelnen Charaktere, über den Ablauf der Handlung, bestimmte Szenen, besondere Effekte: wie setze ich Personen voneinander ab?

Wie unterscheide ich sprachlich zwei Astartes, die gleiches Alter, gleiche Herkunft, gleiche Brutalität teilen und bei einer Aufklärungsmission leise miteinander reden? Was ist wenn sich die Stimme einer Figur laut Autor in einem späteren Roman verändert hat? Wie spreche ich ein Warpwesen ohne nach zwei Seiten heiser zu sein?
Die Black Library hat mich da auch mit “Sekundärliteratur” unterstützt. Im Netz findet sich eine Menge, wie z.B. das WH40K Lexicanum usw. Außerdem dokumentiere ich für mich selbst die handelnden Personen um nicht den Überblick zu verlieren.
Das alles wird dann im Studio mit der Regie abgestimmt. Übertreibe ich die Darstellung einer Figur, dass sie zu unglaubwürdig wirkt? Passt die Stimme, die ich mir ausgedacht habe zur Figur? Verträgt die ein oder andere Szene noch einen “Unterbau”, soll heißen, reden die Figuren über eine Sache, meinen aber
eigentlich etwas anderes? Die Regie korrigiert, bringt eigene Ideen ein, die ich dann wieder aufnehmen
kann. Manchmal verwirft man natürlich auch was, aber in den meisten Fällen sind wir mit dem Ergebnis alle zufrieden. Dazu achten Regie und Technik auf Verständlichkeit, Dynamik und dass ich keine Fehler mache.

Baust du Emotionen zu den Protagonisten im Warhammer-Universum auf?

Es ist nicht ganz so wie mit Figuren, die ich bei Theaterstücken verkörpere, die mir im Laufe des Probenprozesses immer vertrauter werden und ich mich im Alltag plötzlich frage, was würde diese Figur jetzt machen / sagen. Aber klar, manche Charaktere mag ich lieber als andere. Da freue ich mich über jede Szene oder wenn sie in einem weiteren Roman auftauchen. Es gibt welche, die ich gut geschrieben finde oder welche, die mich an jemand Bestimmtes erinnern und wieder andere, die besonders großen Spaß machen,
sie zu sprechen.

Wie kann man sich bei dir einen “normalen” Arbeitstag vorstellen? Liest du volle acht Stunden vor?

Länger als sechs Stunden am Stück schafft man als Sprecher kaum. Bei EinsA ist sechs Stunden mit Pausen mein Maximum. Für einen HH-Band brauche ich ca. 6 Sessions und nochmal genau so viel zur Vorbereitung und einen Korrekturtermin. Oft sind Sprecheraufträge aber kürzer und ich pendele zwischen verschiedenen Studios hin und her. Also z.B. morgens einen Werbefilm, mittags eine Stunde Synchron und abends noch eine Wissenschaftssendung für einen Radiosender.
Dazwischen sind immer Tage, an denen ich zu Hause die Texte vorbereite.

Hörst du selbst andere Hörbücher?

Ich höre kaum Hörbücher. Ich habe ein paar von Jochen Malmsheimer gehört, die ich ganz großartig fand. Auch die Peter Grant-Geschichten von Ben Aaronovitch, die Dietmar Wunder liest, gefallen mir gut. Aber ich lasse mich schnell ablenken, wenn die Kollegin oder der Kollege nicht so überzeugend sind. Da bin ich leider berufsbedingt “vorbelastet”.

Herzlichen Dank für das Interview Tom =)

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Fnord

Schönes Interview und unerwartet, sowas hier zu lesen.

Frosty

Danke, freut mich, dass es dir gefällt

Yilvi Tekitsu

Also ich bin kein großer Warhammer 40k Fan aber ich muss sagen dieses Interview hat mich gerade dazu gebracht mir das erste Hörbuch zu holen. Da mir die Hörprobe auch gut gefallen hat und wenn ich schon Lese das es bis zu 50 Bücher davon gibt und wenn es mir gefällt habe ich für lange zeit etwas zu Hören auf der Arbeit

Frosty

Ja sehr cool.
Willkommen bei den bösen Jungs ^^