[Blog-O-Quest] No-Gos im Rollenspiel

Michael von jaegers.net hat die Organisation der Blog-O-Quest Oktober übernommen.

Thema sind No-Gos, sehr passend zu meiner Kathegorie

Gibt es Menschen, mit denen Du nicht gemeinsam an einem Spieltisch (egal ob physisch oder virtuell) sitzen möchtest? Welche sind das und wie gehst Du damit um? (Keine Namensnennung …)

Ja, natürlich habe ich schon Menschen getroffen, mit denen ich nicht gerne spielen würde.

Grade die Weite des Internets macht es möglich, dass unsere kleine Community zusammenwächst und größer wird, was mir generell erstmal super gefällt. Ich habe viele Freunde so gefunden, die ich nicht missen möchte und einige davon dann auch schon auf Conventions getroffen. Mittlerweile gehe ich mit einigen durch Dick und Dünn.

Andere wiederum haben Verhalten an den Tag gebracht, die mich eher abstoßen. Das ist aber okay, ich muss mit ihnen ja nicht spielen und mich weiter mit ihnen beschäftigen, dann gibt man sich die Hand und geht sich zukünftig aus dem Weg.

Am Tisch ist mir sowas bisher nicht passiert. Ja, ich hatte schon unterschiedliche Spielstile, die nicht harmonisiert haben, aber wirklich unhöflich war da keiner. Ich glaube die Anonymität des Internet und dass man mit einem Knopfdruck disconnecten kann, nimmt da vielen Leuten die Schmerzgrenze.

Ich habe eine kleine Liste, aber die überwiegenden Erfahrungen sind sehr positiv.

Was geht für Dich am Spieltisch (out-game) nicht? Alkohol, fettige Pommes, lautstarkes Rülpsen oder Körperkontakt? Wie ist das vereinbart?

Kommt auf das Spiel an. Bier und Bretzel Rollenspiel darf gerne auch mit fettigen Pommes und Bier, wobei ich mich da als Nicht-Alkoholiker ausnehme. Rülpsen finde ich dann doch sehr störend, selbst wenn man Method-Acting betreibt und einen Wikinger oder Zwergen darstellt.

Bei einer Horrorrunde Cthulhu oder anderen immersiven Systemen und Settings finde ich es eher störend, würde es aber nicht als No-Go bezeichnen.

Bin ich selbst Spielleiter, dann stelle ich solche Sachen nicht aktiv hin, da brauche ich den Platz für Karten, Handouts und Bilder.

Körperkontakt bin ich relativ schmerzbefreit. Ich war bei der Bundeswehr, ich bin groß und stark und habe wenig Tabus, kann mir körperliches Spiel gut vorstellen und habe dies auch schon gemacht.

Auf Conventions war dies dann abgesprochen, ich habe dort aber eher meine Präsenz benutzt, als dass ich jemand wirklich angefasst habe.

 

Was geht für Dich in-game nicht? Gibt es Tabus zu Themen oder Handlungen? Und wie kommunizierst Du das?

Auch da sind meine Schmerzgrenzen sehr hoch. Ich kann auf viele Punkte gerne verzichten, aber ein wirkliches Tabu ist es in-game nicht.

Wie so viele andere auch, reagiere ich auf Gewalt gegen Schwächere allergisch, vor allem körperlich unterlegende Frauen oder Kinder. Oft bringt dies den Plot nicht voran oder das Element ist einfach unnötig. Wer darstellen will, wie grausam oder brutal eine Welt ist, kann dies meinetwegen gerne auf andere Art und Weise tun, hier im Rollenspiel aber oft nicht dazugehörig.

Bei sexuellen Gewalt jeglicher Art ziehe ich für mich den Schlussstrich und würde kurz nachfragen, ob dies immanent wichtig für den Plot ist und ob der Plot überhaupt spielenswert ist.

Bei solchen Abenteuern erwarte ich aber von dem Spielleiter, dass sowas im Vorfeld kommuniziert wird und eine Lösung angeboten wird!

Verlassen des Zimmers, Stop rufen oder die X-Card…

Das ist Pflicht der Leitung, wenn solche Themen bespielt werden sollen!

Wie reagierst Du, wenn ein Spieler sich in- oder out-game in deine persönliche No-Go-Area begibt, vielleicht sogar nachhaltig oder gezielt?

Zunächst mit Zurückhaltung um mein Missfallen auszudrücken. Normalerweise bin ich ein aktiver Spieler und immer dabei, wenn ich Leise werde, ist etwas im Argen.

Sollte ich merken, dass es nachhaltig und/oder gezielt passiert um mich zu triggern, dann triggere ich zurück und unterbreche das Spiel, ja auch aktiv!

Ich spreche die Missstände an und will wissen, wieso ich gereizt werden soll. Kommt hier keine Einsicht wünsche ich dem Rest noch viel Spaß und gehe…

Bisher nicht vorgekommen, aber vorstellbar wäre es

Als dezenter, die Immersion nicht störenden Hinweis auf das Überschreiten einer roten Linie wird gerne auf das Konzept der X-Card verwiesen. Nutzt Du dies? Wie sind Deine Erfahrungen damit, oder warum verwendest Du sie nicht?

Bisher habe ich sie nicht genutzt oder gebraucht.

Mit mir kann man reden und gerne unterbreche ich mein Spiel, wenn es zu hart wird. Dann kann der Cut auch sehr schnell sein und es interessiert mich nicht, wenn dadurch Stimmung verloren geht. Wenn einer der Spieler leidet, dann ist einfach Ende…

Bonusfrage: Auf einer zunehmenden Zahl an Veranstaltungen werden klare Regeln hinsichtlich des No-Gos von sexueller Belästigung und dem Umgang damit aufgestellt und propagiert. Wie ist Deine Meinung dazu, brauchen wir das explizit oder sollte das nicht in der Gesellschaft verankert sein? Ist das nur eine “modische” Folge des #meetoo-Hypes? Ist das im Rollenspielumfeld 2018 wirklich nötig? Fühlt ihr euch damit wirklich besser oder verkrampft das die Situation nur?

Ich finde Politik hat im Rollenspiel nichts verloren. Egal woher der Stein des Anstoßes kam, zur Zeit wird diese Debatte sehr politisch geführt und keines dieser Themen sollte Einzug egal warum ins Pen&Paper finden.

Ob es nötig ist? Ich habe bisher keine Erfahrung damit gemacht, kenne aber jemanden, der dies hat.

Oft sind solche Leute sehr stark und vertreten mittlerweile ihr Meinung lautstark, was ihr gutes Recht ist, wenn sie sich belästigt fühlen. Als Unbeteiligter unterstütze ich gerne bei Problemen jeglicher Art und biete ein offenes Ohr an, und ja, Regeln sind wichtig. Sollte eine Spielrunde oder Veranstaltung ein solches Thema darstellen, verweise ich auch meinen obigen Punkt: Sowas gehört angekündigt.

Von Belästigung jeglicher Art, die Mitspielern die Laune verderben, ist abzusehen.

Nein, Politisch geführte Debatten gehören nicht in das Umfeld und sollten dort bleiben, wo sie herkommen, brauchen wir nicht.

 

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