Interview zu KINGS OF CARNAGE mit Thomas Gurrath

Ich habe mich mit Thomas Gurrath von Debauchery unterhalten und ihn zu seinem ambitionierten Tabletop Projekt KINGS OF CARNAGE befragt. Thomas selbst kenne und verfolge ich seit 2004, als er mit seiner Band noch in einem kleinen Schuppen in meiner Heimat Lüneburg gespielt hat. Seitdem verfolge ich ihn nicht nur musikalisch sondern auch seine anderen Projekte.

Kings of Carnage

Stell dich doch bitte einmal vor. Wer bist du und wieso kennt dich die Warhammer Gemeinde?

Hi, ich bin nicht sicher, ob die Warhammer Gemeinde mich kennt, eventuell durch meine Musik von Debauchery, Blood God & Balgeroth. Seit 2003 habe ich einige Alben veröffentlicht. Dieses Jahr kommt zum 15 Jahre Blood for the Blood God Jubiläum eine neue CD Box.

Wie kam es zu dem Entschluss, dass du mit Debauchery Musik für Chaos Space Marines und andere unheilige Kreaturen machst? Haben deine Bandmitglieder die gleichen Hobbies neben Metal?

Im Moment fallen mir nur drei Texte von ungefähr 150 Liedern über Chaos Space Marines ein. Kill Maim Burn handelt natürlich von Kharn the Betrayer und Ironclad Declaration of War und Storm of Iron von den Iron Warriors. Ich bin das einzige Bandmitglied von Debauchery, alle anderen sind Live Musiker, aber leider sind die nicht für Tabletop zu begeistern.

Eigene Miniaturen wollte ich schon immer machen. Mit der Zeit hatte ich die Möglichkeiten und dann ging es los.

Wie gut kennst du die Lore von Warhammer und liest du abseits der Codizes auch Romane und Pen&Paper Bücher?

Also Tau sind jetzt nicht mein Spezialgebiet. Bei Chaos und Tyraniden bin ich ziemlich informiert. Ich habe ein paar Hundert Black Library Bücher gelesen, kaufe seitdem ich sieben Jahre alt bin fast alle Armeebücher, Regelwerke und anderes. Bei den Rollenspielbüchern habe ich nur eine kleine Auswahl. Ich bin glaub schon ein ziemlicher Fanboy.

Spielst du auch Pen&Paper?

Also ich habe natürlich vor Jahren mal Warhammer Roleplay und ein paar andere Systeme ausprobiert, aber ich bin nicht dabei geblieben. Mein Ding sind narrative Tabletop Spiele. Der erzählerische Teil ist mir sehr wichtig, aber Figuren müssen dabei sein.

Hast du eine Lieblingsarmee für Warhammer oder WH40K? Spielst du auch andere Tabletop-Systeme?

Meine Favoriten waren immer Tyranids & Genestealers. Vor allem den alten Genestealer Cult fand ich von der Geschichte und dem Look immer besonders spannend. Gerade die Verbindung mit Chaos und Genestealer Monster, mit ihrem H.R. Giger inspirierten Aussehen haben mich voll begeistert. Für Tyraniden gab es anfangs nur sehr wenig, aber mit der HIVE WAR Erweiterung für Epic hat sich das dann geändert und heute ist die Auswahl an coolen Monstern großartig. Über die Jahre haben sich einige Armeen angesammelt: Tyranids, Genestealer Cult, Chaos Space Marines, Warriors, Daemons, Beastmen, Skaven, Untote, Empire, Imperial Guard, Traitor Guard.

Ich habe natürlich alle GW Systeme gespielt: 40k, Fantasy Battle, Epic, Necromunda, Mortheim, Inquisitor, Manowar, Gothic, Blood Bowl, aber auch Warzone und Chronopia. Seit ca 15 Jahren liegt der Schwerpunkt bei eigenen Systemen, aber ich bin auch aktiv bei 40k und Necromunda dabei. Und endlich gibt es hier auch ein paar AOS Spieler, also da werde ich demnächst auch wieder mal mitmachen, denke ich.

Wie kam es zu dem Entschluss, dass du jetzt auch für eine Metalband Miniaturen druckt?

Also die werden gegossen, nicht gedruckt 😉

Entweder in Zinn oder Resin. Nur die Masterfigur wird manchmal gedruckt. Eigene Miniaturen waren ein Kindheitstraum. 2011 oder so hatte ich die erste Debauchery Miniatur in Zusammenarbeit mit Kabuki Models, danach kam eine von Patrick Masson (Hate, Zombicide etc.) nach einem Artwork von Adrian Smith. Und so ging es langsam aber stetig weiter.

Worum geht es in der “Lore” oder der Geschichte eures Tabletops? Habt ihr eine oder geht es nur darum, sich mit Kettensägen zu zerstückeln?

In der Geschichte geht es natürlich um den Kampf zwischen Gut und Böse. Für den Kampf gegen die Dämonen erschuf Gott die Drachen. Sie sind die Bewahrer der Schöpfung. Im Norden von Eden steht der Feuerthron der rechtschaffenen Feuerschlangen. Sie kämpfen mit den Elben der demokratischen Mittelmächte und der Königreiche des Ostens gegen die Horden der Hölle. Menschen sind sehr zahlreich und stehen auf allen Seiten in diesem Krieg. Der wichtigste Widersacher der Dämonen ist aber Balgeroth der Herr der gefallenen Drachen, der Immortales Cruores, seine Festung ist Knochenheim.

Der Krieg tobt auch auf anderen Planeten, wie unserer Erde. In Europa regieren die Faschisten, die USA sind ein von Zombies überranntes Ödland mit befestigten Mega Cities und in Afrika herrschen die Warlords. Diverse Drachenfraktionen mischen mit, es gibt Höllentore über die Dämonen und Vampire auf unsere Welt kommen. Vieles kann man im Bestiarium Balgerothum nachlesen, das gibt es auf Blutgott als free Download. Einen kleinen Teil habe ich mit der Hilfe von Graham McNeill ins Englische übersetzt.

Nachdem ich aber nur begrenzte Möglichkeiten zur Miniaturenproduktion habe beschränkt sich das Spiel KINGS OF CARNAGE auf Kämpfe zwischen dämonischen und drakonischen Kriegsmaschinen. Entweder auf den Schlachtfeldern Edens, der Erde oder den Torture Pits der Hölle.

Wird es neben den drei aktuellen Kulten noch andere geben?

Im Moment gibt es Carnagers. Carnager sind Dämonenmaschinen in die verstümmelte Vampirmonster oder auch manche Drachen oder Menschen hineingenäht werden. Sie kämpfen unter allen Kriegsherren der Hölle. Dann gibt es die Blutgötter der Legion des Balgeroth und die Drakornauten. Regeln für alle Menschenfraktionen überarbeite ich, aber Figuren dafür werde ich glaube ich nicht herstellen. Das aktuelle Spiel KINGS OF CARNAGE basiert auf den Carnage Regeln von 2010, die alten Regeln gibt es auch noch als Free Download auf der Homepage Blutgott oder in Buchform im Bloodstore

Kannst du uns kurz und knapp erlären, wie die Regeln von dem Debauchery Miniaturgame funktionieren?

In KINGS OF CARNAGE kontrolliert jeder Spieler ein oder mehrere Monster. Alternative Aktivierung, Kampfaktionen und Bewegungspunkte machen das Spiel extrem frei. Wenn du dein Carnager aktivierst, könntest du zum Beispiel 10 Zoll laufen, schießen, dich weitere 3 Zoll bewegen, ein Modell im Nahkampf angreifen oder nochmal schießen und dann weitere 2 Zoll laufen.

Zum Einstieg gibt es fertige Charakterbögen, aber eigentlich ist es dafür gemacht die Kreaturen selbst auszustatten. Es gibt unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten an Waffen und Ausrüstung für jede dämonische oder drakonische Kriegsmaschine. Indem man Modelle frisst oder Blut trinkt kann man neue Fähigkeiten während des Spiels bekommen.

Es ist möglich zu dritt oder zu viert zu spielen, mit nur ein bis drei Modellen pro Seite. Dabei kann man frei aus den Kreaturen auswählen, also nicht nach Fraktionen. Letztendlich sind die Schlachtfelder im Osten von Eden so chaotisch, dass alle Allianzen denkbar sind.

Für mich steht natürlich auch die Charakterentwicklung im Vordergrund, d.h. man kann seine Kreaturen wie bei einem Rollenspiel über Jahre weiterentwickeln – wenn man das möchte. Sie könnten als Gladiatoren in einer Torture Pit starten, sich irgendwann bei einem Szenario befreien und dann in großen Schlachten teilhaben bis sie wieder gefangen genommen werden und ihr Ende in einer Torture Pit finden. Sowas in der Art.

Stehst du in Kontakt mit Games Workshop und hast dir sowas wie eine Lizenz besorgt? Sowohl für die Musik damals als auch die Figuren heute?

Nein, ich habe noch nie mit Games Workshop zusammengearbeitet. Ich denke auch nicht, dass die heute noch sowas machen würden. Also du wirst keinen Eigennamen oder irgend so etwas in meinen Texten finden. Graham McNeill und ich haben uns manchmal gegenseitig Anspielungen in unserer kreativen Arbeit verpackt. So heißen zum Beispiel die Noise Marines in seiner Horus Heresy Novel Debauchers so wegen der Band Debauchery. Angefangen hatte es mit meinem Text über Storm of Iron.

Meine Texte sind zu 90% über mein eigenes Debauchery Universum. Einer der Vorteile eines eigenen Universums ist es ja gerade, dass man keine Trademarks von anderen verletzt. Auch die Miniaturen basieren alle auf eigenen Artworks. Entweder gezeichnet von von Adrian Smith für Debauchery (Warhammer, Hate, Seven Sins, Chronopia) oder von mir selbst.

Kannst du noch andere Bands empfehlen, die ähnlichen Content machen mit Bezug zu unserem Lieblingsuniversum?

Texte über Warhammer kenne ich nur von alten Bolt Thrower Alben.

Herzlichen Dank für deine Antworten und die Zeit, wir wünschen dir weiterhin gutes Gelingen. Wer nun interessiert ist, findet auf der Homepage von Thomas weitere Informationen zu Modellen und dem Regelwerk.

Hier findet ihr noch einen Artikel wie ihr mit potentiellen Toden im Pen and Paper oder Tabletop umgehen könnt.

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