Rezension: Esmoda – Die Zitadelle der Unsterblichkeit

Nach unserem Podcast zu Splittermond gemeinsam mit Seldom Found hat mich die Nekropole Esmoda sehr gereizt. Unabhängig von der Welt Lorakis kann die Zitadelle der Unsterblichkeit in vielen verschiedenen Fantasywelten mit Magie eingebunden werden… wenn ihr es düster mögt.

Die Fakten

64 Seiten

Preis: 15,00 €  //  Preis pro Seite: 3 Cent

Erschienen: November 2017

Autor: Tobias Hamelmann

Inhalt

Das Regionalwerk Esmoda schlüsselt die Stadt der Toten auf und beschreibt die täglichen Probleme von Wesen, die keine oder kaum Gefühle besitzen. Denkt ihr bei den typischen Untoten zunächst an Skelette und Zombies, die es im Dungeon zu bekämpfen gilt, so ist dies eine Stadt des Bewusstseins. Sie unterscheidet sich daher sehr eklatant von allem, was ich bisher zu diesen Wesen gesehen habe und macht den Mund wässrig. Diese Kreaturen aus Esmoda waren Lebende, die sich bewusst hinter die Schleier begeben haben um ihrem baldigen Tod ein Schnippchen zu schlagen. Das kann zwar darin münden, dass sie nun seit Jahrhunderten leben, doch die Stadt selbst nicht mehr verlassen können. Die Rituale des Knochenkönigs binden sie an Esmoda, doch müssen sie nun nicht mehr Krankheit oder Schmerz fürchten.

Bringt uns mehr Leichen

Der Fakt ist auf Lorakis kein Geheimnis und so kommt es, dass viele ausziehen und sich vor der Stadt sammeln. Nicht jeder wird eingelassen und nur wenige haben das Privileg vom Triumvirat auserwählt zu werden. Da sich Untote nicht fortpflanzen und nur der Selbstmord als Ausweg gilt, verharren die Pilger oft Jahrelang vor den Toren. Innerhalb der Nekropole gibt es wenig gewaltsame Auseinandersetzungen, da sich eine Abstumpfung der Gefühle einstellt. Esmoda besitzt zwar Stadtwachen und auch Militär, doch diese wird eher durch politische Konflikte des Fleischkönigs mit dem Fliegenkönig angetrieben. Wie Mühlräder zermahlen sie so stetig langsam und effektiv ihre Untergebenen, die Lebenden werden dabei meist in Frieden gelassen und darben in ihrem Verlangen nach dem Untot.

Handel und Wandel

Für Abenteurer ist ein Besuch in der Stadt sicherlich sehr interessant, wenn sie eine äonenalte Handwerkerin finden mögen, die sie als Lehrling aufnimmt. Solange die Charaktere nicht das Ziel haben ihren eigenen Untod in Esmoda zu finden und auf ewig in der Stadt zu verharren, so kann die Zitadelle viel Neues und noch mehr Altes lehren. Stöbern in Bibliotheken führt so meist dazu, dass es verweise gibt: “Wieso fragt ihr die 500 Jahre alten Bücher, wenn ihr auch direkt mit der Autorin sprechen könnt, sucht sie doch mal in der Knochengasse, vielleicht wohnt sie da noch.”

Händler von frischen Waren wie schnell verderblicher Nahrung sind gerne gesehen. Zwar muss ein Nekropolit nichts Essen, doch er versucht es gerne um sich seine Menschlichkeit [Füge hier beliebige andere Spezies ein] zu bewahren. Oder sie sehen gerne zu wie andere lebende Gäste essen.

Sympathisch durchdacht

Die Autoren haben sich bei dem Werk tatsächlich viele Gedanken gemacht, wie eine Stadt wie Esmoda aussehen muss, wenn das Bewusstsein erhalten bleibt und Gefühle abstumpfen. Vieles für uns Selbstverständliches existiert nicht und anderes für uns ungewöhnliches ist dort normal. Die innere Logik der Welt, die sogenannte Holistik, ist einfach passend und beim Lesen hatte ich tatsächlich viel Spaß.  Immer wieder gab es ein Nicken oder Schmunzeln von mir und Gedanken wie “wäre ich zwar nicht drauf gekommen, hätte ich aber genauso gemacht”.

Kritik

Abschließend gibt es nach der großen Stadtbeschreibung ein paar Regelergänzungen zu neuen Waffen, Charakter-Aufsätzen und ein Abenteuer samt vielen weiteren Vorschlägen, was man in Esmoda erleben könnte. Selbst zum Untoten werden ist nicht vorgesehen, was allerdings auch jedes weitere Abenteurer-Dasein erheblich erschweren würde. Die Magie lässt sie zerfallen, wenn sie sich zu weit oder zu lang von der Zitadelle entfernen und aus dem Nebel treten. Zwar wären sicherlich große Stadtkampagnen möglich, wohl aber irgendwann ermüdend. Zudem möchte die Redaktion den Kontinent nicht mit diesen Kreaturen (so nett sie auch sein mögen) überschwemmen, desweiteren ist der innerer Antrieb auf eigene Abenteuer auch zurückgefahren.

Ich mag das Buch zwar, es ist mir aber noch nicht düster genug. Dem Untod begegnen mag sehr interessant sein, allerdings würde ich hier noch mit etwas mehr Dunkelheit würzen, so ist es mir noch zu fantastisch-asiatisch angehaucht.

Bonus

Wenn Künstler und Handwerker ohne Erschöpfung, Schlaf oder Hunger Jahrhunderte arbeiten können und wollen, passieren unmögliche Dinge

82. Wir erheben den Tischler Hanto für seinen ebenhölzernen Sekretär. Weder der Prüfer, noch andere anwesende Tischler waren imstande, mehr als die vier der acht mundanen Funktionen und siebzehn der dreiundvierzig magischen Geheimfächer ausfindig zu machen.

[…]

85. Wir erheben die Kunstschmiedin Garr Steppenreißer für eine perfekte Kopie der dalmarischen Königskrone. Der Prüfer zeigte sich besonders beeindruckt von der Reaktion der dalmarischen Delegation: Die Geprüfte wurde aus einer Uneinigkeit heraus sowohl des Kopierens royaler Insignien als auch des Diebstahls derselbigen bezichtigt.

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