Das Drama eines Schlachtfelds – Überlegungen eines Spielleiters

In der Vergangenheit habe ich schon einige Kämpfe bestritten. Als Charakter und auch als Spielleiter. Einen Dungeoncrawl, einen Hinterhalt oder gegen eine Übermacht. Was ich jedoch am Schwierigsten finde, ist es einen Krieg zu veranschaulichen. Das Drama eines Schlachtfelds muss sich auf die Spieler übertragen und spannend erzählt sein, doch wie dies gelingen kann, möchte ich hier ausführen.

Das Drama eines Schlachtfelds

Vor Kurzem haben meine Freunde vom Wintersturm und ich über Kriege geredet. Was davor passiert, was während eines Konflikt passiert. Auch über Verlust haben wir gesprochen. Unabhängig davon ob ihr diese gehört habt, können wir aus diesen Podcasts etwas lernen, wie wir ein Drama und damit Spannung erzeugen. Der Verlust von Lebenspunkten und damit das Versterben kann ebenso wichtig sein in diesem Kontext, doch wenn wir uns wirklich große Schlacht-Simulationen ansehen, dann geht es auch darum, wie wir den Überblick behalten oder eben ihn verlieren.

Bordgeschütze, feuer frei!

Kämpfe von Schiff zu Schiff auf See oder im All kommen allzu oft vor, wenn ihr die Reise antretet. Egal ob Das schwarze Auge, Dungeons and Dragons oder Rogue Trader, wir kommen früher oder später an diesen Punkt. Nun macht es aber oft keinen Spaß auf einer großen leeren Hexfeldkarte entlang zu segeln oder schweben und versuchen zu entkommen oder jemanden einzuholen. Ab und zu darf ich ein paar Würfel schmeißen und die Bordgeschütze oder Laserbatterien abfeuern. Habe ich getroffen und Schaden gemacht, werden die Trefferpunkte verringert und das Spiel geht von vorne los. Langweilig und öde. Vor allem wenn ich noch zuvor Schilde zerstören muss und es in einer Würfelorgie ausartet, wo am Besten nur eine Spielerin am Ende würfeln kann oder darf. Die Anderen schauen zu und heucheln Interesse.

Kommandantin, die Kavallerie vorziehen

Selbiges Problem ergibt sich eventuell bei Schlachten zu Land. Werden große Verbände dirigiert und Gruppen, Züge oder Kompanien auf Karten entlang gezogen, dann freut sich eventuell ein Tactician. Auch muss das Feld hier nicht leer sein, sondern kann mit Hügeln und Wäldern bestückt sein, sodass das Gelände wenigstens etwas ermöglicht. Doch auch hier mag nicht jede voll involviert sein und nach einigen Momenten abschalten, damit ihre Freunde sich dem Problem annehmen. Strategie und Taktik sind nicht für alle etwas.

Wie verbessere ich nun also die Situation?

Das Problem was die oben beschriebenen Szenarien haben, ist das Weitwinkelobjektiv. Wir werden weniger stark eingebunden, wenn wir aus der Ferne auf eine Situation blicken, die uns nicht direkt betrifft. Solche Schlachten werden zumeist aus der Vogelperspektive geführt und das sorgt für Abstand und weniger Drama. Damit die Szenen spannend bleiben, müssen wir so schell wie möglich wieder mit unserer imaginären Kamera heranfahren und die direkte Umgebung der Spielercharaktere zeigen.

Zoom Zoom

Neben dir auf dem Achterdeck trümmern Kanonenkugeln ein, reißen große Holzsplitter ins Fleisch und zerfetzen die Segel. Eine Raketentorpedo hat die Schiffswand durchschlagen und tödliches Vakuum saugt die Luft aus dem rostigen Maschinenraum. Freunde und Mannschaftsmitglieder neben dir sterben oder liegen blutend am Boden, sie brauchen Hilfe! Ein junger Mann neben dir verzweifelt an seinem ersten Einsatz und will zurück zu seiner Mutter.

Solche Schadensbeschreibungen machen die Situation greifbarer und das Spiel für alle dramatischer. Was wollt ihr tun, viel Zeit bleibt euch nicht.

Ein Tactician kann trotzdem auf seinen Spaß kommen

Sollte sich jetzt jemand beschweren, dass dies doch ideal wäre um seine Talente im Overall einzusetzen, so kann ein Planspiel auch im Vorfeld an die Sitzung eingewoben werden. Legt euch die Regeln und Mechaniken bereit und fragt nach, ob jemand Interesse daran hat, sein taktisches Geschickt zu beweisen. Den erwürfelten Ausgang einer Schlacht könnt ihr dann mit einzelnen Szenen für jeden Helden versehen und ihr oder ihm besondere Geschehnisse zuweisen. Die Priesterin kümmert sich um Verletzte an Bord, die Handwerkerin kümmert sich um die Reparatur der Waffensysteme. Die Moral zerbricht in einer schwierigen Minute und wir brauchen eine Rede der jungen Offizierin! Mit dem Richtigen Fokus bleibt ein Gefecht spannend und dramatisch, jeder kann mit individuellen Fähigkeiten eingebunden werden und vor allem bleibt die Erzähldichte unglaublich hoch. Stillstand oder das Blättern im Regelwerk ist tödlich für die Immersion, weshalb all dies vor der Sitzung abgehandelt sein sollte.

Nichts für einen Oneshot

Wie immer ist dies natürlich nur meine eigene Meinung. Solltet ihr dies gänzlich anders sehen oder weitere Tipps haben, so verseht diesen Blog gerne mit einem Kommentar von euch. Das Drama eines Schlachtfelds kann einen wichtigen Teil eurer Kampagne bilden und diesen Moment solltet ihr nutzen. Vor Kurzem habe ich sowohl einen Schiffskampf erzählt als auch mehrere Regimenter dirigiert. Das Jahr des Feuers ist mit drei Armeen und dem Krieg gegen Rhazzazor furios zu Ende gegangen.

 

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