Rezension: Deathwatch

Da ich selbst ein großer Fan der Deathwatch bin und das Gebaren der verschiedenen Orden miteinander sehr zu schätzen weiß, musste ich natürlich auch den Roman von Steve Parker lesen. Wieso mich dieses Buch nach anfänglichem Ärger dann belustigt weiterlesen lies, erfahrt ihr in meiner ausführlichen Rezension.

Die Fakten

520 Seiten

Preis: 15,00 €  //  Preis pro Seite: 3 Cent

Erschienen: Juli 2019

Autor: Steve Parker

Inhalt

Deathwatch lässt sich sehr schnell zusammenfassen. Es geht um die Rekrutierung und Ankunft der einzelnen Ordensmitglieder. Im Fokus steht dabei ein Psioniker Karras von den Death Spectres, einem Unterorden der Raven Guard. Andere Brüder wie Imperial Fist Bruder-Sergeant Voss wird dabei stilecht bei der Verteidigung im Schützengraben vom Feld aus rekrutiert. Karras wird auf die Ordensfestung im All gebracht und dort vom Ordo Xenos ausgebildet.

Zeitgleich operiert ein Mitglied der Inquisition auf einem fernen Planeten und deckt dort die schleichende Übernahme von Genestealer Kulten auf. Dabei wechselt er mit seiner psionischen Gabe selbst in den Körper des Feindes und sucht nach Informationen für den Kampfeinsatz der bald folgenden Deathwatch.

Kritik

Dieses Kapitel wird tatsächlich etwas länger werden und ich erkläre, weshalb aus dem Ärger eher ein Spaß wurde. Zunächst zu den positiven Sachen: Die Übersetzung ins Deutsch von Judith Vogt ist gut gelungen und es gibt nichts auszusetzen. Rechtschreibfehler habe ich nicht gefunden, was mich bei einem Black Library Roman schon erstaunt hat.

Beim Lesen der ersten wenigen Seiten war ich zunächst verwundert. Die Marines beginnen in einem Gefecht und kämpfen gegen die niederträchtigen Tyraniden. Soweit nichts ungewöhnliches, doch die Gespräche währenddessen sollten die Brüder angemessen charakterisieren und den Orden entsprechen. Ich erwarte beispielhaft von einem Space Wolf, dass er wild und ungezügelt ist. Ein Ultramarine ist ehrhaft und folgt dem Protokoll bis ins Detail. Imperial Fist gibt stur keinen Millimeter nach. Diese Vorurteile sollten in der Deathwatch bedient werden, sie lebt von dem Spiel mit den verschiedenen Charakteren.

Typisch Deathwatch?

Leider wird bereits im Prolog mit meinen Erwartungen gebrochen. Der Ultramarine ist streitsüchtig, flucht und hinterfragt die Befehle seines Vorgesetzten. Die beiden Space Marine der Raven Guard sollten üblicherweise nur das Nötigste sagen und sonst grüblerisch mysteriös bleiben. Das macht sie zu Einzelgängern und keinen besonders guten Anführern. Hier jedoch reden sie ohne Unterlass und gebaren sich sehr untypisch zu den sonst festgelegten Regeln ihres Ordens. Ich bekomme auch das Gefühl, dass der Autor Parker ein großer Fan der Raven Guard ist und hier seinen Fantasien freien Lauf lässt. Fehler hat Protagonist Karras nicht, er kann einfach alles und spielt die Mary Sue.

Fehlendes Wissen des Autors?

Ich habe zunächst weitergelesen, musste dann aber doch das Buch weglegen. Parker versucht dem Leser die Zeitrechnung von Terra im Jahr 40.000 zu erklären und versagt dabei jedoch kläglich. Dies mag gerne einem Neuling im 40K-Universum passieren, doch ein Romanautor sollte hier keine Fehler begehen. Wenn ihm das Wissen fehlt, beklage ich mich nicht, doch wenn er versucht solche Details in seiner Geschichte zu erklären, dann bitte korrekt. Bei ihm sind Death Watch Space Marines mit 8 terranischen Jahren voll ausgewachsen und Super-Psioniker. Ich habe 25 Fehler gefunden, markiert mit roten und orangen Schnipseln (weil mir die roten ausgingen): Ob nun Ultramarines, die mich an Space Wolves erinnern oder falsch bezeichnetes Throngeld… es ist für alle was dabei.

Meine Rezension

Da ich mittlerweile die Romane auch für die Rezension hier auf meiner Homepage lese, wollte ich nicht abbrechen. Also begann ich das Buch nach 50 Seiten noch einmal von vorne und machte mir ein Spaß daraus, all die Fehler von Steve Parker mit einem Post-It zu versehen. Dabei geht es um die verschiedensten Dinge, die mir sauer aufgestoßen sind. Normalerweise markiere ich Szenen, die ich für spätere Beschreibungen im Rollenspiel benutze und die Welt gut wiedergeben, hier jedoch brechen sie mit der Immersion. Space Marines mit Angst vor dem Tod, die Deathwatch wird nicht als Ehre betrachtet sondern viel mehr als Strafe verstanden.

Glossar vs. Fußnoten

Seit geraumer Zeit hat die Black Library ein Glossar für Begrifflichkeiten aus dem 40K-Universum. Auch wenn ich dies oft nicht brauche, so freue ich mich doch immer wieder darüber nach dem Epilog ein paar Begriffe zu lesen und auf vertraute Definitionen zu stoßen. Hier hat sich Parker jedoch dazu entschieden Fußnoten für die merkwürdigsten Begriffe zu benutzen, die danach jedoch nie wieder auftauchen. Er führt Abkürzungen ein, die keinen Mehrwert haben. Die “Platzersparnis” für RP2 als Rendezvouspunkt mag im Gefechtsgespräch noch sinnvoll erscheinen, aber Abkürzungen sind reichlich nutzlos, wenn ein Space Marine darüber nachdenkt wie alt er ist. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn die BL wieder zurückkehrt zum Glossar und mich nicht aus der Immersion heraus reißt.

Gibt es eine Kaufempfehlung?

Ich habe mir den Band vor allem gekauft, weil ich wissen mag, wie so eine Rekrutierung abseits des Xenos-Jagen ablaufen kann und wie einfache Akolythen der Inquisition integrierbar sind. Dies erfüllt der Roman trotz seiner inhaltlichen und stilistischen Fehler auch. Wollt ihr also Pen and Paper 40K spielen, dann legt euch das Buch dennoch zu, wenn ihr über oben Beschriebenes hinweg sehen könnt.

Nach 200 Seiten wird der Roman etwas besser und ich hatte auch mal Gänsehaut-Momente. Es ist in meinen Augen sicherlich nicht das Beste was zur Zeit auf dem Markt ist, aber für Zwischendurch könnt ihr “mal reinsehen”. Der zweite Teil wurde übrigens schon von den Teilzeithelden renzensiert. Mehr von Steve Parker und seinem Trupp mit einer kleinen Besprechung zu dem ersten Deathwatch Roman.

 

Bonus

Eine der guten Szenen gegen Mitte-Ende des Buches.

Ordimas’ Sicht verschwamm. Er war der Ohnmacht nahe. Er tastete nach der vergifteten Klinge an seinem Gürtel, doch seine Finger waren ungeschickt, so nahe war er dem Tod. Er hörte das Messer neben ihm zu Boden fallen. Es war ein vernichtendes Geräusch. Mit seiner anderen Hand zog er an der Kapuze des Eindringlings. Sie fiel von ihm ab.

Unter ihr lag ein Gesicht, das beinahe menschlich war. Seine Haut war bläulich, die vorstehenden Augen lagen zu weit auseinander und die Zähne waren zu scharf und zu zahlreich. Er sah so gut wie keine Lippen; der Mund war ein breiter, feuchter Schlitz im glänzenden Fleisch…

2
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
1 Kommentar Themen
1 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
2 Kommentatoren
FrostyPhilipp Ebelhäuser Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
Philipp Ebelhäuser
Gast
Philipp Ebelhäuser

Ich nehme an “Er war ein vernichtendes Geräusch.” ist ein Schreibfehler von dir? 😀

Magst du vielleicht mal wieder 40k Videos machen? Mich würde speziell eine Zusammenfassung zum Glauben und zur Darstellung eines gläubigen Menschen im Imperium Interessieren. Wir wollen demnächst eine Runde spielen und da würde ich gerne irgendwas gläubiges spielen. Das Problem was ich mit 40k habe ist das alles so überdreht ist an allen Ecken und Enden, dass ich gar nicht verstehe wie da eine Gruppe zusammen bleiben soll 😉