Wie man Unaussprechliches beschreibt

Da ich vor kurzem eine neue Cthulhu-Gruppe aufgemacht habe, in der wir demnächst öfter spielen (und ich vermutlich leiten darf), habe ich mir aus meinem Archiv die ganzen alten Cthuloiden Welten geschnappt und dort drin nicht nur nach Abenteuern geblättert, sondern auch interessante Artikel durchforstet.

 
 

Mit Cthulhu habe ich Leiten gelernt, das System ist unglaublich simpel und der Spielleiter kann sich ohne Weiteres auf die Geschichte konzentrieren, wenn die Regeln die Geschichte nur stützen, aber nicht behindern.

Die Beschreibung von Unerklärlichem oder Unausprechlichem ist dabei der Fokus oder sollte es sein. In einer dieser alten Werke habe ich nun von Scott David Aniolowski einen Beitrag gefunden, der nicht in Vergessenheit geraten sollte und bitte auch von Spielleitern unabhängig vom System benutzt werden sollte. Es geht dabei ganz allgemein darum, dass niemand Grusel oder Horror verspürt, wenn als Beschreibung kommt

“…als ihr um die Ecke biegt, steht ihr einem Fischmonster gegenüber.”

 

Grade Spielleiter im Bereich Das Schwarze Auge oder Pathfinder (ich werfe ungern alle gemeinsam in einen Pott, tue es jetzt aber trotzdem. Fühlt euch provoziert) beschreiben die Dinge gerne so, wie sie im Buch sind: Mit ihrem Namen im Monsterhandbuch.

 

Ein Zant kommt durch die Tür, ein Goblin greift dich an, der Dunkelelf verzaubert dich. Die Dingen beim Namen nennen erzeugt leider keine Stimmung. Hier soll doch bitte mit Sinneseindrücken gearbeitet werden, das haben die Cthulhu-Spielleiter hoffentlich schon verstanden.

 

Sehen

nach Aniolowski der am einfachsten zu beschreibende Part, gebe ich ihm uneingeschränkt Recht. Kommt jetzt ein zwei Meter großes Monster in den Raum und hat dickes Fell, dann darf die Beschreibung hier noch nicht aufhören. Schön und gut, wir haben es jetzt nicht Yeti oder Bigfoot genannt, aber groß und haarig erzeugt immer noch nicht genug Spannung.

 

Wie ist das Fell denn beschaffen? Matt oder verfilzt, feucht oder muffig, nass oder staubtrocken, wie sieht die Farbe aus und ist es rau wie das eines Bären oder glatt wie das einer Katze?

Wie steht es denn im Raum, wenn es zwei Meter groß ist? Auf zwei Beinen und wirkt Humanoid oder hat es mehrere Beine, ist es gebeugt oder gebückt, taumelt es oder rennt es?

Ich könnte die Punkte noch etwas weiter führen, der Beitrag in der Cthuloiden Welten war etwas länger, aber ich will die Beschreibung nicht überspitzen, das solltet ihr auch nicht tun. Wenn das Monster da steht will keiner einen zehn Minütigen Monolog hören, sowas ist leider auch nicht mehr gruselig. Stellt euch als Spielleiter einfach die Frage, was ihr sehen würdet oder was euch wichtig ist zu beschreiben. Soll es zu einem Kampf kommen, dann zeigt ihnen die Klausen, Rasiermesser-scharf und vor Gift klebend.

 

Wechselt für so etwas von der Vogelperspektive, der Beschreibung von oben herab in eine Froschperspektive – stellt euch vor ihr steht selbst vor dem Ding, hat grade eure Zimmertür eingetreten während ihr diesen Blog lest und knurrt euch an!

 

Gehör

Knurren? Ja, knurren!

Wenn eine säure-triefende Katze nun beschrieben ist – wie klingt sie? Schmerzverursachendes Fiepen, hochtönendes schrilles Kreischen oder gutturale, kehlige Laute? Auch hier gerne wieder kurz und knapp mit Adjektiven arbeiten – gerne können diese auch vor dem Sehen kommen, wenn das eigentliche Wesen sich noch in der Dunkelheit verbirgt, dann wird dieser Punkt umso wichtiger.

 

Das gilt aber nicht nur für Monster, sondern auch für alte Burgen bei denen Wasser von der Decke tropft. Stetig, seit Äonen höhlt das Wasser den Stein und macht die Helden vielleicht sogar verrückt, während sie alles erkunden? Alte Dielenbretter die knarren…

ja wie knarren sie denn? Adjektive!

Muss ja gar nicht so wichtig sein, aber wenn ihr durch solche Beschreibungen die Geschwindigkeit heraus nehmt und den Helden das Gefühl gebt, dass sie hier tagelang nun durch eine Burg ziehen oder das verlassene Bauernhaus gar nicht so verlassen ist, dann gehen die Schutzschilde automatisch hoch ohne dass es Geister gibt…

Quält sie einfach ein bisschen

 

Riechen

Leider viel zu unterschätzt. Liegt eine Leiche auf der Straße, dann ist es nicht damit getan, dass man deren Maden-zerfressenen Körper beschreibt. Nein, es muss tiefer gegraben werden.

“Ein intensiver Fischgestank macht sich breit und kriecht euch unaufhaltsam in die Nase. Die Wunden der Schwerthiebe sind weiter aufgerissen und schwarze Blasen haben sich am Rand gebildet, einige sind aufgeplatzt und der herbe Geruch mischt sich unter die Verwesung. Ammoniak schwängert die Luft und treibt euch die Tränen in die Augen.”

 
 

Fühlen

Ich vermute ihr habt mittlerweile verstanden wie es funktioniert? Wenn Charaktere im Dunkeln eines Labyrinths an den Wänden tasten – wie alt fühlt sich der Stein an? Schorfig, rau? Gut… weiter so, denk dir dazu mehr aus. Wechsel wieder in die Froschperspektive und taste vielleicht selbst an einer Wand – stell dir vor während du beschreibst, wie du selbst in diesem Kerker stehst!

 

Du wurdest getroffen und liegst mit der Hälfte Lebenspunkte und zwei Wunden am Boden? Gut! Dann beschreib den Herzschlag in der Brust, den schwächer werdenden Gliedmaßen und eingeschlafene Beine. Du kannst dein Bein nicht mehr bewegen, der Schmerz brennt sich aber bis hoch in deinen Kopf, zieht an der Wirbelsäule und frisst sich in deinen Verstand! Unter dir matschiges Wasser der Wiese, kalter Boden und das Stampfen von schweren Schritten, die du über den Grund bemerkst

 

Schmecken

Wie schmeckt Gift?

Bitter, Süßlich? Liebkost es deine Zunge und brennt dann heiß im Rachen. Hier kann wieder gut mit Vergleichen gearbeitet werden: Abhängig davon was es ist. Du kannst es auch anwenden, wenn es um das ausgesprochen gute Abendessen geht in der Taverne, hier muss nicht mal Gefahr im Spiel sein.

 

Chemikalien muss niemand selbst im Mund gehabt haben, aber die Beschreibung von Schwefel oder Vergorenem reicht meist schon. Übertrieben Salzig oder so scharf, dass andere Geschmäcker nicht mehr durchkommen? Hier kommt es wieder auf die Situation an in der du solche Situationen beschreiben willst, da ihr aber nach den vielen Bespielen hoffentlich verstanden habt, wie es geht, überlasse ich euch dem Schlusswort

 
 
 

Bitte seht ab davon Dinge, die besonders oder speziell sind auf so einfache Art und Weise herunter zu brechen als wären sie alltäglich. Wenn ihr es richtig macht, dann können nicht nur die Helden sondern auch die Spieler wirklich ins Zweifeln geraten oder Angst bekommen. Ich habe in einem Detektivszenario einen Hut beschrieben… Einen stinknormalen Hut an dem nichts außergewöhnliches war, außer der Tatsache, dass er am Tatort lag und der Täter diesen verloren hat.

 

Niemand hat sich getraut ihn zu berühren, anzufassen. Gestandene 20 Minuten standen die Ermittler im Regen der Gasse und trauten sich nicht ihn mitzunehmen.

Wenn so eine Szene passiert, dann hast du alles richtig gemacht und kannst dir selbst auf die Schulter klopfen.

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Torsten
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Hey Frosty, Da hatte ich also heute früh eine ellenlange Antwort auf deinen Beitrag geschrieben und dann hat der Captcha timeout alles unwiederbringlich gefressen und mich daran erinnert weshalb ich Texteingabefelder auf Webseiten so sehr hasse. 😀 Aber gut, halb so wild. Ich wollte ohnehin noch einen Artikel auf unserem eigenen Blog in Reaktion auf dieses Post von dir hier schreiben. Dann mache ich das jetzt einfach ein wenig gründlicher und fasse mich stattdessen hier ein wenig kürzer. Zuerst einmal vielen Dank für den Artikel! Ich finde es gut das du dazu etwas geschrieben hast und es hat mich auf… Weiterlesen »

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[…] Das unbeschreibliche beschreiben? Das ist mitunter schwer. Nicht in der Sache, sondern weil zumindest ich von bestimmten Spielweisen verdorben bin 🙂 Euch stehen fünf Goblins und ein Ork gegenüber… Manchmal vergisst man das Ausschmücken. Frosty hat sich ein paar Gedanken zum Thema gemacht, wie man das Unaussprechliche beschreibt. Frosty Pen&Paper – Wie man unaussprechliches beschreibt […]