Wie beschreibe ich NPCs?

Nachdem ich jetzt ein paar weitere Abenteuer gelesen und rezensiert habe, ist mir aufgefallen, dass in meinem bisher noch kurzen Blog-Repertoire noch ein wichtiges Thema fehlt. Immer wieder fällt mit auf wie einige neue aber eben auch alteingesessene Spieler ihre Charaktere beschreiben und dabei -in meinen Augen- Fehler machen. Tipps und Tricks zum Nichtspielercharakter.

Charakterbeschreibung

Das Thema könnte so einfach sein, ist es aber nicht. Grade wenn ich zum ersten Mal mit einem neuen Charakter ins Spiel geworfen werde, dann kommt es oft zu dem Punkt, an dem ich mich bzw. das Alter Ego beschreiben muss. Viele Spieler machen sich Gedanken darum, wie ihr Held aussieht, was generell ja auch sehr wichtig ist. Ich muss abgeleitet von meinen Werten ein eigenes grobes Bild von mir haben. Wie muskulös oder dick ist mein Charakter? Wie gewand tritt sie auf oder stolpert er ungeschickt über einen Stuhl ins Bier eines Tavernengastes?

Ich selbst muss die Werte für mich interpretieren, nicht aber wiedergeben. Was aber ist wichtig, wenn der Spieler zum ersten Mal den Charakter beschreibt?

Eindruck

Viel wichtiger als die große Axt auf dem Rücken oder die Farbe der Kleidung, der Schnitt der Hose ist der erste Eindruck. Dies passiert unterbewusst beim Gegenüber. Wenn die Tür also aufgeht und ich hineinkomme, andere schon am Tisch sitzen, worauf gehe ich ein? Hier ist die Wirkung wichtig, die Ausstrahlung und der erste Eindruck. Bin ich selbstsicher und habe einen Blick, der jeden Anwesenden mustert, dann ist dies wichtiger als die Augenfarbe. Kein Spieler wird nach 2 Monaten Spiel jemals wieder danach fragen, welche Augenfarbe ihr habt. Wenn ihr gefragt werdet, wie groß ihr seid, dann gebt bitte Vergleiche an und antwortet nicht mit einer genauen Größe vom Maßband! Ich bin groß und stark wie ein Stier als Bild im Kopf ist deutlich eindrucksvoller als 1,92 Meter.

Inventar

Viele Spieler machen sich natürlich auch mit einiger Akribie an ihr eigenes Inventar, die Gegenstände in ihrem Rucksack sind nicht ohne Grund dort aufgeführt. Auch hier ist nicht wichtig das Hemd oder die Hose zu beschreiben, wenn dies nicht wichtig ist. Wenn der Charakter aus einer europäischen Kultur stammt, aus dem Mittelreich beispielsweise, dann ist es egal, wenn seine Hose aus Leder, Kette oder Stoff besteht. Wir spielen hier keine Modenschau. Wichtig ist hier wieder nur der Eindruck! Wenn er Kette oder “Platte” trägt, dann ist er höchstwahrscheinlich ein Krieger oder Soldat.

“Die Tür geht auf und hinein tritt ein Mann, sein Umhang verbirgt viel von seiner Kontur, könnt ihr doch eine starke Rüstung darunter erahnen. Selbstsicher schaut er sich um und reibt durch seinen fleckigen Drei-Tage-Bart.”

Der Nicht-Spieler-Charakter

Viel mehr Fehler kann ein Spielleiter bei der Beschreibung eines eben solchen machen.

“Ich habe da diese super Idee, ein richtig cooler NPC, den ich gebaut habe und den Spielern vorstellen will”

In einem Pen&Paper geht es vorläufig um das Abenteuer bzw. die Story und die Spieler in der Welt. Die Nichtspielercharaktere tragen zwar dieses und bilden ein Gerüst, das stützt. Sie sollen die Spieler aber nicht übertrumpfen oder ihnen die Show stehlen. Niemals! Natürlich gibt es immer mal wieder jemanden, der über den Charakteren steht und stehen muss, aber diese sollen dann eher als “Auftraggeber” dienen und nicht um mit Werten anzugeben.

Generell würfel ich die Attribute eines NSCs niemals aus oder klicke die richtigen Talente auf die richtige Stufe. Sollte es dazu kommen, dass sie gewürfelt werden, dann improvisiere ich Zahlen je nach dem ob sie etwas nun können oder nicht. Eine Magierin wird wahrscheinlich weniger gut im Schwertkampf sein, eine Zwergin wird aber jederzeit einen Menschen unter den Tisch trinken können und “kompetent” in “zwergischen Dingen” sein. Ich brauche einen Namen und eine Eigenheit. Einen Vorteil und ein Nachteil, damit sie darüber Persönlichkeit vortäuschen können. Bei einem Tavernenwirt fragt kaum einer nach dem Namen, der bekommt von mir nur ein merkwürdiger Äußeres. Hier seien auch die zahlreichen Zufallstabellen empfohlen, die sehr nett zu lesen sind. Dialekte oder Akzente in der richtigen Region verfeinern noch sein Auftreten. Eine Ritterin am Wegesrand, die spontan den Krieger der Gruppe zu einem Duell fordert, bekommt neben einem Namen auch noch eine kurze Geschichte a 3 Sätzen und den Rest zieh ich mir aus den Fingern, wenn nachgefragt wird.

Merke:
  • Spielercharaktere stehen im Fokus, nicht der Nichtspielercharakter!
  • keine Modenschau
  • generiert die 30 NPCs nicht jeden einzeln durch: Name, Vorteil, Nachteil
  • baut keinen Meister-NPC, der den SCs die Show stiehlt !
  • beschreibt einen ersten Eindruck, das Aussehen hilft dabei, ist aber nicht alles. Wirkung ist wichtiger…

 

 

 

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FRAZ
Gast
FRAZ

Bei NPC empfehle ich auch ein besonderes Merkmal einzubauen. Eine auffällige Narbe, eine zitternde Hand, eine bestimmte Floskel usw. Dadurch bleibt die Figur den Spielern in Erinnerung.
Meiner Meinung nach braucht eine Spielleiterin auch Klischees nicht zu meiden. “Der alte Seebär mit dem Holzbein” ist zwar ein alter Hut, aber gerade deswegen hat jeder von uns nach diesen paar Worten gleich ein Bild vor Augen.

Benni
Gast
Benni

Danke, hat mir auf jeden Fall weitergeholfen !

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daNator
Gast
daNator

Das hört sich sehr spannend an, das gilt aber nur für “beiläufige Plot-Treiber”, oder?
Sieht das mit Personen, die die Gruppe länger begleitet anders aus? Ich erinnere mich an deine Aves-Geweihte, die die Helden nach Aranien begleitet hatte. Wieviel war da ausgearbeitet, wie viel aus dem Ärmel geschüttelt? Ich erinnere mich an einen Satz von dir “Warte, ich schaue kurz in ihren Waffenmeister hinein.”

Wie sehr gestaltest du die “Endbosse” eines Abenteuers ? Da du ja in deinen Runden meistens offen würfelst, müsstest du ja Werte festgelegt haben, nicht?