Rezension: Herren der Stille

Achtung: Ich möchte jedem bereits im Vorfeld davon abraten diese Rezension zu lesen, wenn ihr nicht mit dem Genre “Body-Horror” umgehen könnt. Der Roman Herren der Stille und auch damit meine Rezension behandelt die Death Guard aus Warhammer 40K und den Chaosgott Nurgle, der mit Seuchen seine Diener verändert. Ich arbeite teilweise mit Zitaten um diesen Horror zu verdeutlichen. Ihr wurdet gewarnt.

Die Fakten

375 Seiten

Preis: 13 €  //  Preis pro Seite: 3 Cent

Erschienen: August 2018

Autor: Chris Wraight

Inhalt

Der Inhalt der Buches lässt sich tatsächlich unglaublich schnell zusammenfassen und allzu viel Handlungselemente könnt ihr nicht erwarten. Es geht um die Namensgebende Legion Herren der Stille, einer Untergruppierung der Death Guard wie bereits im Disclaimer beschrieben. Belagerungsmeister Vorx ist ein direkter Vertrauter von Dämonenprimarch Mortarion und wurde von diesem mit einer Aufgabe betraut, die einigen seiner Untergebenen nicht zu passen scheint. Er hat mit Verrat und Hinterlist an Bord seines Schiffes Trost zu kämpfen und muss gleichzeitig die Legion in den 13. Kreuzzug führen. Gemeinsam mit den anderen 9 Verräterlegionen sammeln sich die Myriaden von Schiffen im Warp und durchstoßen gemeinsam das Auge. Wie Cadia fällt wird nicht thematisiert, allerdings spielt ein Teil des Buches im Orbit des Planeten Agripinaa. Diese Fabrikwelt liegt angrenzend zu besagtem Cadia und liefert Waffensysteme aller Art, weshalb dieser Nachschub abgeschnitten werden soll. Nach dieser Schlacht zwischen Raumschiffen wird das weitere Ziel verfolgt. Die Vernichtung von Ultramar und den verhassten Ultramarines kann dank fehlendem Astronomican nicht wirklich realisiert werden. Die Death Guard treibt orientierungslos im Empyrean, kann aber einen Folge-Orden aufstöbern. Der Planet der White Consuls liegt in greifbarer Weite und es entbrennt ein Drei-Fronten-Krieg gemeinsam mit einer anderen Verräterlegion. Ob der Planet und der Orden fällt, könnt ihr im Roman von Chris nachlesen.

Aufbau des Buches

Das Buch erzählt keine chronologische Abhandlung des Inhalts sondern springt wie wahnsinnig über die Zeit vor und zurück. Dies macht es leider enorm schwer der Handlung zu folgen und erst sehr spät wird der Ablauf klar. Ob dies ein Stilmittel sein soll und die zerbrechende Milchstraße symbolisieren soll, ob Tzeentch seine Hände mit im Spiel hat? Ich weiß es nicht. Mich stört es tatsächlich ein wenig, dass der Roman so zerhackt wurde und es keinen richtigen Aufbau gibt.

Was mich unglaublich fasziniert ist, dass mir als Leser wahrlich bewusst wird, was die Death Guard will und ihre Motivation ist. Was treibt Zombie – Space Marines an außer dem Hunger? Jeder der Brüder hat einen eigenen Charakter, eigene Mutationen und Fähigkeiten. Mir wird verständlich wieso sie trotz aufgeplatzter Servo-Rüstungen quasi unbesiegbar bleiben und auch für die White Consuls eine brutale Gefahr darstellen. Wer zuhause eine Armee dieser Krieger im Schrank stehen hat, dem sei dieser Roman ans Herz gelegt um nachzuempfinden, was die kleinen Figuren spüren, wenn Boltergeschosse das Fleisch durchdringen.

Tempus

Was mich im Gegensatz zur Chronologie dann doch noch mehr stört ist das Tempus. Es geht also wieder um die Zeit? Ja. Die Herren der Stille wurde im deutschen durchgängig ins Präsens übersetzt. Ich kann mit dieser Art wahrlich nichts anfangen, das mag aber ein rein subjektiver Geschmack sein, der euch eventuell nicht so stört wie mich. Kämpfe fühlen sich schneller an, aber abseits dessen fühlt es sich falsch und madig an, wenn ich die Geschehnisse nachlese.

“Wie steht es um die Zitadelle?” fragt Vorx und schaut die inneren Mauern empor. Sie sind von Nässe durchzogen und es tropft von ihnen herab. Von einem hohen Turm hängen gehäutete Leichen herab, an denen sich Aaskrähen gütlich tun. Von irgendwo aus der Tiefe ist das Brodeln der Kochbottiche zu hören und auch der Küchengeruch aus den Refektorien dringt empor.

Im Englischen soll sich das Tempus wohl unterscheiden wurde mir gesagt, dies kann ich jedoch nicht bestätigen. Wieso sich entschieden wurde diese Zeitform zu wählen ist mir nicht ganz klar, denn andere Warhammer Romane haben sich auch nicht um diese Art bemüht.

Kritik

Wieso sollte ich dieses Buch nun also lesen? Wieso sollte ich es nicht lesen? Wie ich bereits sagte, bietet das Buch nicht wirklich viel Inhalt. Zwei Schlachten werden geschlagen, die zwar sehr dicht am neuen Meta-Plot von Games Workshop sind, aber abseits dessen passiert nicht viel. Wir verfolgen die Space Marines oft auf ihrem Schiff Trost und sehen ihnen zu, wie sie Probleme verursachen und lösen. Eben jener Alltag macht es in meinen Augen aber so lesenswert. Es macht Spaß sich durchzulesen wie die Mutationen durch den Körper strömen, Krankheitserreger nicht nur die Death Guard sondern auch imperiale Soldaten durchströmen und ihnen neue Gaben wachsen lassen. Eitrige Augen und neue Geschwüre, die sich bilden und mehr Fähigkeiten versprechen. Regeneration von altem Gewebe und Wachstum steht im Vordergrund, beleuchtet nicht nur die Verräterlegion sondern auch Papa Nurgle. Wir dürfen mit Vorx vor den Primarchen Mortarion treten und sehen Abaddons Schiff auf der Ferne. Das ist großartiger Fanservice. Wir sind dabei und dürfen ihn bewundern.

Rechtschreibfehler waren deutlich weniger vorhanden, allerdings sind mit einige Kommata aufgefallen, die da nicht hingehören oder die Silbentrennung hat nicht richtig funktioniert. Wesentlich besser zumindest als noch bei Eisenhorn Teil IV: Magos. Punkte ziehe ich leider für Tempus ab, es hat ganze 200(!) Seiten gedauert, bis ich mich damit abgefunden habe. Solltet ihr damit kein Problem haben, dann verbleibt als Wermutstropfen noch die fehlende Chronologie.

Bonus

Nicht nur die Adeptus Astartes haben sich verändert, sondern auch das Raumschiff. Nach 10.000 Jahren der Pestilenz lebt und atmet das Ding, pumpt Sporen durch die Promethium-Leitungen und wächst nach Torpedos wieder zu:

Er geht weiter und drückt gegen bestimmte, fahlgraue Organe. Die Berührungen hinterlassen ein klebriges, galleartiges Material auf seinen Handschuhen. Das Rohrwerk ist von Bündeln dunkler Adern umwachsen. Der Boden ist weich und bewegt sich. Das Geräusch der Maschinen ist längst verklungen und wurde durch das gedämpfte Echo des Proto-Herzschlags ersetzt. Überall sind Fliegen […]. Es ist aufgeblüht und hat sich erweitert, sein Wesen rankengleich in die ganze Struktur des Schiffes ausgebreitet, bis Eisen zu Fleisch und Adamantium zu Knochen wurde.

Weitere Rezensionen findet ihr wie immer hier:

Quellenband Handbuch der Radikalen oder den Deathwatch Comic.

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